das virtuelle Museum des Motorrad-Veteranenclub Attnang Puchheim

Text und Fotos: Hannes Denzel


 
Puch 350 GS, Baujahr: 1938
   

Puch ist DIE österreichische Traditionsmarke, keine andere Firma war hierzulande mehr Motorräder verkauft, keine anderes Unternehmen hat mehr Entwicklungsarbeit geleistet, keine andere Marke kann auf eine derart lange Geschichte zurückblicken. So ist Österreich deshalb natürlich das Land der Puch-Sammler und Spezialisten: in wie vielen Garagen und Privatsammlungen kann man beinahe lückenlos anhand der dort stehenden Exponate die Entwicklungsgeschichte der Grazer Firma verfolgen (wenn man einmal die sehr selten zu findenden Viertakter der Zeit vor dem ersten Weltkrieg außer acht läßt)? TF, TT, SV, SG, und alle deren Ableger aus den 50er und 60er Jahren gehören genau so dazu wie die Modelle aus den 30ern: T3, S4, 200er, 220er, oft sogar eine schöne 500er Zweizylinder. Ganz, ganz selten eine der nur 550 mal gebauten 800er Vierzylinder. Beinahe ebenso selten ist die 350er, deren Erscheinungsbild unverkennbar auf ein Geländemodell hinweist: der hochgezogene Auspuff, die Federung (die nach heutigen Maßstäben aber äußerst bescheiden wirkt) und eine gewisse Hochbeinigkeit....

Die GS - abgekürzt für Gelände Sport - ist ein von Puch 1938 hauptsächlich für den Militäreinsatz entwickeltes Modell deshalb wurde sie ausnahmsweise nicht schwarz lackiert, wie sonst bei Puch in den 30ern üblich, sondern eben graugrün,. Der Motor, ein Zweitakter mit 350 ccm, leistet ca. 14 PS. Wie bei Puch üblich wurde auch hier ein Doppelkolben-Motor verwendet, die Kolben liegen hier allerdings in Längsrichtung. Speziell für die GS entwickelte Puch eine Hinterradfederung (bei anderen Modellen hat man ja gerne Illichmann Federungen eingebaut). Die Wehrmacht hat die Maschine getestet und auch ein großes Kontingent angekauft allerdings ohne die Federung, die zu anfällig und zu aufwändig in der Wartung war. Die Meldefahrer haben ihre ungefederten Puchs natürlich nicht gerschont im Feldeinsatz, und so kommt es, dass hauptsächlich zivile GS mit Federung überlebt haben - obwohl vom Wehrmachtsmodell viel höhere Stückzahlen aufgelegt wurden. Bei dieser Fotoschönheit handelt es sich um ein Exportmodell für Ungarn, erkennbar am Kotflügelemblem.

Puch 350 GS,
Baujahr: 1938

Besitzer: Schmalwieser Alois,
Gaspoltshofen