im Spotlight, die Monatsmaschin'

diesmal: Hercues W 2000, Baujahr 1974

   

Einen Wankelmotor mit Worten zu beschreiben ähnelt dem Versuch, eine Wendeltreppe zu erklären, während man die Hände auf dem Rücken zusammengebunden hat.“ So verzweifelte der englische Motorjournalist Edward Eves beim Schreiben eines Artikels über den Kreiskolbenmotors.


Hier dennoch der Versuch einer kurzen Beschreibung: bei einem Wankelmotor wird die Verbrennungsenergie ohne den Umweg einer Hubbewegung direkt in eine Drehbewegung umgesetzt. Es existieren prinzipiell zwei Versionen: Der Drehkolben-Wankelmotor und der Kreiskolben-Wankelmotor, nur letzterer hat wirtschaftliche Bedeutung erlangt. Bei ihm übernehmen dreieckige Rotationskolben, als Läufer bezeichnet, gleichzeitig die Funktionen der Kraftabgabe und der Steuerung der Gaswechselvorgänge. Er hat nur eine Exzenterwelle und damit eine geringe Unwucht, die durch Ausgleichsgewichte völlig ausgeglichen werden kann, und arbeitet nach dem Viertaktprinzip.

Bekannt gemacht hat dieses Motorprinzip der deutsche Maschinenbauingenieur Felix Wankel. Die Vibrationen herkömmlicher Verbrennungsmotoren störten ihn dermassen, dass die Konstruktion eines erschütterungsfreien Aggregats für ihn zur Manie wurde. Bei der Suche nach Alternativen stieß er in den 30er Jahren auf das Prinzip des Rotationskolbens, mit dem sich bereits viele Tüftler beschäftigt hatten, darunter der Brite James Watt - der Vater der Dampfmaschine. Wankel dachte diese Ideen in eigenen Versuchswerkstätten weiter und wurde dabei vom nationalsozialistischen Reichsluftfahrtministerium unterstützt.
Nach Kriegsende nahm er die Versuche am Kreiskolbenmotor in seiner neueingerichteten „Technischen Entwicklungsstelle“ wieder auf, was in weiterer Folge zur Zusammenarbeit mit NSU und der Vorstellung des Wankel-Spiders bei der IAA 1963 führte. Ein weiteres Produkt der Kooperation war der RO 80, beides heute gesuchte Raritäten unter Youngtimerfreunden.

Es entstanden aber auch Motorräder mit Wankelmotoren, das bekannteste darunter ist mit Sicherheit die Hercules W 2000. Hercules ist die älteste deutsche Fahrrad-, Moped- und Motorradfabrik, wurde 1886 gegründet und ab Mitte der 1960er-Jahre dem Fichtel & Sachs Konzern eingegliedert. Ende der 1960er Jahre begannen dort Versuche mit einem Kreiskolben-Motorradantrieb, nachdem Wankelmotoren von Sachs sich bereits zigtausendfach in Schneemobilen und für stationäre Anwendungen bewährt hatten. 1970 erschien bei der IFMA in Köln eine Modellstudie von Hercules mit diesem Wankelmotor, die auf so großes Interesse stieß, dass das Unternehmen sich entschloss, eine Serie von anfangs 50 Stück aufzulegen, die ab 1974 zu kaufen waren. Die 176 kg schwere Maschine hatte zunächst 25, später 27 PS bei einem Einzelkammervolumen von 294 cm³. Der gebläsegekühlte Dreikammer-Einscheiben-Kreiskolbenmotor erzeugt ein maximales Drehmoment von 35 Nm bei 4000 Umdrehungen. Das Motorrad beschleunigt in 7,8 s von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 138 km/h.

Suzuki, Honda, Yamaha und MZ experimentierten auch mit Wankelmotoren, aber die Hercules war die erste am Markt. Konstruktionsmängel, der hohe Preis und der enorme Verbrauch verhinderten hohe Absatzzahlen, obwohl Hercules mit dem Slogan „ der Souverän - vor Ihnen steht die Zukunft“ geworben hatte (deshalb auch der Typenzusatz als Hinweis auf das Jahr 2000). 1976 kam noch ein Einspritzermodell, von beiden Baureihen wurden knapp 1800 Motorräder gefertigt. In Deutschland sind heute noch ca. 120 Stück zugelassen. Die Wankel-Hercules war auch bekannt als „Turbobiene“ oder „Staubsauger“, heute ist sie eher ein gesuchtes Museumsstück als ein Oldtimer-Gebrauchsmotorrad. Das war auch der Antrieb für unser Clubmitglied Franz Amering, eine von sechs bei einer Versteigung angebotenen W 2000 an Land zu ziehen und in seine Sammlung zu holen.

Hercues W 2000, 1974

Franz Amering, Vorchdorf