im Spotlight, die Monatsmaschin'

diesmal: Norton Model 18 500 TT Special, Baujahr: 1924

   

1921 gewann Howard Raymond Davies mit der Bigport AJS mit nur 350ccm Hubraum - die zuvor mit Eric Williams schon die Junior Klasse gewonnen hatte – die „große“ TT Senior Klasse. Ein eindeutiger Beweis für die Überlegenheit der OHV Charakteristik gegenüber den alten seitengesteuerten Motoren, wie sie auch Norton noch verwendete – die bei der TT leer ausgingen

Also legten die Norton Techniker in der Bracebridge Street unter Führung von James Lansdown Norton höchstselbst Nachtschichten ein, und entwickelten auf Basis des SV Motors ein neues, modernes Aggregat mit im Kopf des halbkugelförmigen Zylinderkopfs hängenden Ventilen. Zur 1922er Tourist Trophy wurden aber nur zwei der vierzehn antretenden Nortons mit OHV Motoren ausgerüstet waren, sie fielen auch tatsächlich dem Defektteufel zum Opfer – Sieger wurde Alec Benett mit einer Sunbeam. Trotzdem wurden die OHV Norton 1923 unter dem Namen Model 18 H auf der Olympia Motor Show dem Publikum offeriert, die seitengesteuerte Variante, deren Zylinderdimension mit 79mm Bohrung und 100mm Hub identisch war, hieß jetzt 16 H (das H bezeichnete die kettengetriebenen Modelle). Bei der TT schrammten die neuen OHV Modelle wieder nur knapp an einem TT Sieg vorbei, nur eine Douglas unter Tom Sheard war schneller. Aber das Norton Team konnte immerhin bereits den Teampreis einheimsen – und ein Jahr darauf war es dann so weit: der Kanadier Alec Bennett holte auf der OHV Norton die Butter vom Brot und gewann mit einem neuen Rekordschnitt von 61,64 Mph (= 99,2 Kmh)! Ein sentimentaler letzter Triumph für „Pa“ Norton, der im darauffolgenden Frühjahr verstarb.

Die käuflichen Norton Modelle 16 und 18 waren Dauerläufer, trugen viel zum Nimbus Nortons als „the Unapporchable“ (die Unerreichbaren) und blieben in den zu harmlosen Tourenmotorrädern „degradierten“ Versionen bis 1954 im Pogramm, ab dann. Konzentrierte Norton sich auf die Zweizylinder-Twin Motoren der Dominator Reihe, in der das Unternehmen in Birmingham - das 1950 vom AMC Konzern geschluckt worden war.

Hier auf den Bildern können wir ein Model 18 aus dem Jahr 1924 im Renntrimm zeigen, die der Werksmaschine Bennetts bis ins Detail gleicht. Was bedeutet: stärkere Bremsen, Webb Gabel, Rennmagnet, Amal Vergaser und per Fußhebel zu betätigende Zusatzschmierung. Die erhaltenen Papiere belegen, dass sie 1924 als Rennmaschine ausgeliefert wurde. Hans Sögner hat das 18er Spezialmodell schon vor der Jahrtausendwende als „Schachtelkind“ in vielen Teilen von „British Only Austria“ erstanden, nicht ahnend, dass sich die Restauration über fast zwei Jahrzehnte hinziehen würde. Alleine das Auffinden eines passenden Brooks Sattels wäre fast zur unüberwindbaren Hürde geworden. Aber im Frühjahr 2017 waren alle Restaurationsarbeiten abgeschlossen, und noch bevor „die Unerreichbare“ auch nur probeweise ihrem Namen alle Ehre machen konnte, durften wir sie schon portraitieren – mussten aber leider darauf verzichten, den kernigen Sound des Langhubers tief in der Magengrube spüren zu können.

Norton Model 18 500 TT Special Baujahr: 1924

Besitzer: Hans Sögner, Regau