im Spotlight, die Monatsmaschin'

diesmal: Puch Bultaco 250 1965

   

Die 60er Jahre: die Ära näherte sich dem Ende, wo Motorradrennen in Österreich zu den Breitensportarten gehörte. Wo jedes Wochenende irgendwo in der Umgebung eine Wertungsfahrt, eine Geländeprüfung, ein Geschicklichkeitsfahren stattfand. Wo man keine Lizenz brauchte, um daran teilnehmen zu können, und wo man sogar mit verkehrszugelassenen Sportmopeds antreten konnte, ohne sich zu blamieren. Vorbei die Zeit, wo es genügte den Scheinwerfer an seiner Schalenrahmen-Puch zu demontieren, um sich sogar bei Straßenrennen ins Starterfeld zu mischen.

International wurde Mitte der 1960er Dekade die 250er Klasse – die uns hier ja speziell interessiert – schon längst von den Honda Viertakt-Vierzylindern und Yamaha Zweitakt-Zweizylindern beherrscht. Mit den Söhnen Nippons war High Tech auf die Rennstrecken gekommen. Halbwegs konkurrenzfähiges Material fand man höchstens bei MZ, CZ und natürlich in Italien. Für Edelschrauber und ihre Puch Derivate hingegen wurde die Luft immer dünner.

Einen dieser Edelschrauber – Fritz Reibersdorfer – haben wir bereits vorgestellt, sein letztes Einsatzgerät zeigen wir hier: wie bereits berichtet lieferte sein Beruf als selbstständiger Kfz Meister dem Fritz nicht nur die nötige Infrastruktur und das handwerklich/technische Know How, sondern ließ ihm auch die Zeit, seine eigenen Renngeräte aufzubauen. So arbeitete er 1965 an einem Renner für die Viertelliterklasse, in dem er alle bisher aus der Praxis gewonnenen Erfahrungen einfließen lassen wollte – unter Berücksichtigung vorhandener Ressourcen und innerhalb des möglichen finanziellen Rahmens.

Auf einen Puch 175er Motorblock setzte er den stärksten 250er Zylinder, der damals zu haben war, nämlich den von der Bultaco Metralla. Der Drehschieber war eine Eigenkonstruktion, der auf seiner Drehbank ohne Fräsen entstanden war. Das Viergang-Renngetriebe kam von Puch, die Auspuffbirne hat er ebenso wie den Rohrrahmen selbst berechnet und geformt. Alle anderen Teile kamen aus der Serie, das größte Problem hingegen lag in der Verbindung Motorblock – Zylinder. Weil dieser nämlich auf einer Aluplatte sitzt, und Aluminiumschweißer waren damals noch so selten wie heutzutage Politiker mit Handschlagqualität.

Lang hat er nicht gebraucht für die Fertigstellung dieser Giftspritze samt Austreibung der Kinderkrankheiten, noch im selben Jahr findet man die Kombination Reibersdorfer/Puch-Bultaco in den Programmen bevorzugt bei nationalen Bergrennen und Wertungsfahrten. Erhaltene Fotos zeigen das Duo auf der der Tauplitz, in Engelhartszell oder am Gmundnerberg. Zwischen Wien und Tirol trat Reibersdorfer an, und traf dabei nicht selten auf andere Bultaco-Puchs (von denen einige weitere überlebt haben sollen). Die Leistungsfähigkeit des spanischen Zylinders war sprichwörtlich. Mit 35 PS + nennt Sohn Kurt eine Zahl, der wir ohne Kommentar die offizielle Werksangabe von Puch für die SGS mit 16,5 gegenüberstellen. Trotzdem zu wenig um mehr als nur Platzierungen einheimsen zu können, zudem verlagerte sich das Renngeschehen immer mehr auf permanente Rundstrecken, wie zB auf den Salzburgring. Der wurde 1969 eröffnet, im selben Jahr stellte Reibersdorfer die Puch-Bultaco endgültig in die Ecke. Nicht nur die mangelnde Konkurrenzfähigkeit war schuld, auch häufiges Verletzungspech hat ihn nicht geschreckt, primär gewannen die Familie mit vier Kindern und natürlich der Beruf immer mehr an Priorität. 15 Jahre auf der Rennstrecke erschienen ihm genug zu sein. Erst nach der Pensionierung holte Fritz den Renner wieder aus dem Regal, bzw das, was davon noch übrig war, die komplette Antriebseinheit nämlich. Um herum entstand ein feines Replikat, das zuerst von Fritz und jetzt von Junior Kurt bei Oldtimerrennen wie zB in Schwanenstadt vorgeführt wird.

Mehr über die Bultaco Puch enthält das Buch „Hansdampf in allen Gassen - die 250er Puch von 1945 – 1970“, erschienen im Verlag Brüder Hollinek (www.hollinek.at)

Puch Bultaco 250 1965

Besitzer: Fritz Reibersdorfer

Seewalchen