D.S.H. 175 Sport, Baujahr: 1924/5
   

Eine typisch österreichische Geschichte zu einem typisch österreichischen Motorrad: drei Herren finden sich, womöglich bei einem Stammtisch, zusammen, sie verbindet gleiches Interessiere, sie haben dieselben Ideen, und sie beschließen, diese umzusetzen. Die drei Herren aus unserer Geschichte hießen Franz Döller, Ignaz Seidel und Ing. Hans Theodor Hauler. Wir schreiben das Jahr 1923, und wir befinden uns im fünften Bezirk in Wien.

Was obengenannte drei Herren in jenem Jahr auf die Beine stellten, war eine Motorradfabrik, die Trautmannsdorfer Fahrzeuggesellschaft. Die Produkte derselben trugen die Anfangsbuchstaben ihrer Namen am Tank, also D.S.H. Und natürlich hatte das Team auf der Suche nach Vorbildern und vor allem Motorenlieferanten über den Ärmelkanal gelinst, das taten ja fast alle Kleinmanufakturen in Österreich. So wurden also die ersten D.S.H. von Villiers Zweitaktmotoren angetrieben, zuerst mit 175, später auch mit 250 ccm Hubraum. Rennerfolge verhalfen zu Popularität und steigendem Absatz, man wurde mutiger, und schon 1927 gab es eine breitere Palette an Motorrädern mit Viertaktmotoren. Die kamen jetzt von JAP (350 – 750 ccm) und von MAG (350 – 500ccm).

Neben Franz Döller selbst saßen solche Größen wie Rudi Runtsch, Fritz Schwarz und vor allem Rupert Karner im Sattel von werkspräparierten D.S.H.‘s. Letzter, der als Zweiter des Großen Preises von Europa 1926 in Belgien weltweit Schlagzeilen gemacht hatte (kurzzeitig hatte er auf seiner Sunbeam sogar geführt, ein Gabelbruch bremste ihn und so musste er sich mit dem zweiten Rang hinter Jimmy Simpson, aber noch vor den Norton Cracks Stanley Woods und Ernie Notts begnügen), beteiligte sich sogar finanziell an der Trautmannsdorfer Fahrzeuggesellschaft. Als er aber bei der ungarischen Tourist Trophy 1928 zu Tode stürzte, brach auch das Unternehmen zusammen. Wohl versuchte es Franz Döller 1929 noch einmal im Alleingang, hielt aber nur drei Jahre lang durch.

Der Name würde ziemlich Vergessenheit geraten sein, aber alte D.S.H.‘s tauchen immer wieder einmal auf (meist in sehr ramponiertem oder umgerüsteten Zustand). An jeder Straßenecke findet man sie aber auch nicht, dafür dürfte damals der Absatz zu gering gewesen sein. Meist handelt es sich bei so einem Fund um ein Viertaktmodell - um so überraschter war Markus Helfert, als vor ein paar Jahren bei der Classic Expo Versteigerung eine ziemlich heruntergekommene, aber großteils originale D.S.H. mit dem 175er Villiers Brooklands Sport Motor (der immerhin 7,5 PS Leistung bringt) angeboten wurde. Noch überraschter war er, als sich bei der Versteigerung selbst niemand dafür interessierte und der kleine Zweitakter, dessen Baujahr mit 1925 angegeben war, stehenblieb.

Scheinbar war das kein Grund für den Verkäufer, mit dem Preis herunterzugehen, im Gegenteil entfernte sich dieser gegenüber dem unteren Estimate kräftig nach oben , dennoch nahm Markus sie mit nach Hause. Zuerst wurde nach Unterlagen geforscht (mit dürftigen Ergebnissen), dabei stellte sich heraus, dass das Baujahr wahrscheinlich mit 1924 anzunehmen ist, weil der Mills Vergaser auf den `25er Modellen nicht mehr verwendet wurde. Dann ging‘s ans mechanische: unerwartet der Zustand der Motorinnereien: die beweglichen Teile waren in ziemlich unverbrauchtem Zustand, und so war nur wenig Arbeit nötig, um das Vehikel wieder zum Leben zu erwecken. Äußerlich bleibt sie sowieso in dem erworbenen, rustikalen Zustand, man soll ihr das Alter ja schließlich ansehen!

D.S.H. 175 Sport, Baujahr 1924/5

Besitzer: Markus Helfert, Schwanenstadt