im Spotlight, die Monatsmaschin'

diesmal: Motom Delfino, Baujahr: 1957

   

„Das kleine Motorrad wird zum Sportkabriolett, der Roller wird zur Luxuslimousine des kleinen Mannes“ – so bildhaft freute sich das österreichische Fachmagzin „Motorrad“ 1953 über das Erscheinen des Motom Delfinos. Dabei war der kleine Delfin anfangs in der Alpenrepublik gar nicht wahrgenommen worden, erst als nach bereits fünfjähriger Lebensgeschichte der Hubraum des Rollers von 147 auf 163ccm angehoben worden war, wurde man hier auf ihn aufmerksam. Vielleicht auch im Sog des Moto Guzzo Galletto, der ja – mit 175ccm Hubraum – eine ähnliche Philosophie verfolgte. Nämlich ein wirtschaftliches, unkompliziertes Zweirad, halb Roller, halb Motorrad, zu sein.

Technisch lässt sich das beim Delfino so in Worte fassen: ein U-förmiger Zentralrohrrahmen, dessen Versteifungsrohr durch den Tank gefädelt ist. Zum Demontieren des Tanks muss ergo auch der Rahmen zerlegt werden. Earles Schwinge vorne, Schwinge a la Guzzi hinten, mit Federung mittels Gummipuffern. Kommod für den Fahrer auch der Schwingsattel, und der Tourenlenker a la Harley. Ungewöhnlich die rolleruntypisch hohen 15“ Reifen, was Restauratoren heutzutage bei der Ersatzbeschaffung vor Schwiergkeiten stellen kann. Die 6 V Wechselstromanlage zündet bei jedem zweiten Takt ins Leere, sie bedient ja hier einen Viertakter.

Dieser 163ccm große Motor wurde damals als sensationell betrachtet: trotz Zylinderverrippung ist er nämlich nicht fahrtwindgekühlt. Vielmehr speist ein Gebläse auf der rechten Kurbelwelle einen Kühlmantel – was den nach einem Meeressäuger benannten Scooter ideal für gebirgiges Terrain rüstet, ihn also zur Amphibie macht. Eng hinter dem Motor sitzt ein Zweiwellengetriebe, das dem Piloten vier Gänge zur Verfügung stellt. 7,5 PS Leistung nennen die Hersteller bei 6000 U/Min, das soll für 86 Kmh gut sein. Den Verbrauch geben sie mit 2,2 Liter auf 100 Kilometer an. Erhaltene Fotos zeigen einen Delfin mit links montierten Beiwagen – Hersteller unbekannt.

Wie gesagt, ideal für gebirgiges Terrain, was den Delfin für den österreichichen Markt interessant erscheinen ließ. Auch das „Motorrad“ orakelte den Delphin bzw sein Konzept als richtungsweisend. Und lag langfristig doch daneben – was weniger an der Philiosphie als an deren kurz darauf einsetzenden Übernahme durch das Kleinautomobil lag. Die Rollerbegeisterung flaute in den 60er Jahren merklich ab, der Motom Delfino blieb ein Exot auf Österreichs Bergen.

Heute kennen ihn nicht einmal mehr eingefleischte Rollerfans. Außer sie beschäftigen sich so eingehend mit der Materie „italienische Oldtimer“ wie Clubkollege Lumpf Ernst. Er – regelmässiger Besucher italienischer Teilemärkte - war schon lange auf der Suche nach so einem Viertakt-Unikum. Musste aber feststellen, dass die auch in der Heimat sehr begehrt und deshalb hochpreisig angesiedelt sind. Im Herbst 2015 hat es aber dann gepasst, und er konnte auf zwei verschiedenen Märkten gleich zwei Delfinos erstehen. Eine in schönem, betriebsbereiten Zustand, eine zweite als Ersatzteilträger, oder um sie neu aufzubauen und auch einen anderen Rollerfan glücklich zu machen.

Motom Delfino 160

Baujahr 1957

Besitzer: Lumpf Ernst

Attnang Puchheim