im Spotlight, die Monatsmaschin'

diesmal: Puch 250 SGA, Baujahr: 1957

   

Über die 250er „Anlasser-Puch“ haben wir hier an anderer Stelle bereits berichtet. Hier sehen wir eine weitere SGA aus 1957 mit Rekord Beiwagen aus dem Besitz von Sepp Maier in Mattighofen. Wie er zu dem Gespann gekommen ist lassen wir ihn selbst erzählen:

„1962 habe ich als Autoverkäufer gearbeitet und war beauftragt, vier Stk 1000er Mazda an die Fahrschule Burgstaller in Braunau zu liefern. Dabei habe ich mitbekommen, dass der Fahrschulbesitzer Platzprobleme hat, weil in seiner Garage besagtes Puch Gespann steht. Gekauft habe er die seinerzeit nur, weil er den daran befindlichen Rekord Beiwagen an eine seiner Fahrschul-BMW’s montieren wollte – wie es damals halt noch üblich war. Bis jetzt sei er noch nicht dazu gekommen, und bis er sich dem Vorhaben einmal würde widmen können, wolle er Puch samt Beiwagen in einer Montagegrube „zwischenlagern“. Ich konnte ihn, dass das sowieso nie geschehen würde, und die Montagegrube vermutlich das finale Grab für die Puch bedeuten würde. Viel klüger wäre es, er würde das Gespann gleich „entsorgen“, und mich mit dieser „Entsorgung“ beauftragen. So geschah es, die Puch samt Rekord Beiwagen fanden leicht Platz auf dem Transporter, mit dem ich die Mazdas angeliefert hatte. „Entsorgt“ habe ich sie in meinen Garten, was allerdings auch wieder nur „zwischengelagert“ bedeutete. Weil in meinen Garagen viele andere Projekte Vorrang hatten, drohte dem Gespann der Verfall, der Beiwagen rostete tatsächlich im Lauf der (Winter)jahre komplett durch. In den 80er Jahren endlich erbarmte ich mich und übergab das marode Boot in die Hände Raimund Avenders, Kfz Spengler aus Braunau, und Angestellter der Firma Schlögl, die seienerzeit für Franz Casteks Rekord Seitenwägen die „Schifferl“ bauten. Dem war es ein leichtes, es nach in seiner Firma vorhandenen Originalschablonen wieder „zurechtzufalzen“. Sein Lohn: ein Satz Winterreifen ...

Die ersten Testberichte in den Fachmagazinen waren euphorisch: ob Sommer oder Winter, ob kalt oder heiß, der Anlasser sollte laut den Medien und Puchs Propagandaparolen immer zuverlässig funktionieren, seinen Besitzer nie im Stich lassen. Schließlich war er von den Herstellern ja für viel größere Motorräder mit einem Hubraum bis zu 400ccm konstruiert worden, da würde er mit dem kleinen Viertellitermotor ja leichtes Spiel haben! Nun, die Praxis sah etwas anders aus, besonders nach ein paar Jahren, wenn die Batterien nicht mehr imstande waren, die volle Leistung zu liefern. Nicht wenige Besitzer haben den Umstand verflucht, keinen Kickstarter mehr zu haben, wenn sie ihre Puch mühsam anlaufen mussten, weil der Anlasser seinen Diensten nur mehr unzureichend nachkam!

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch „Hansdampf in allen Gassen – die 250er Puch von 1945 bis 1970“, das im Herbst 2017 im Verlag Hollinek erscheinen und 60 Stück 250er Puchs portraitieren wird. Es kann jetzt bereits hier bestellt werden: /www.hollinek.at

Puch 250 SGA, Baujahr: 1957

Besitzer: Maier Sepp

Mattighofen