das virtuelle Museum des Motorrad-Veteranenclub Attnang Puchheim

Text und Fotos: Hannes Denzel


 
Victoria KR 35 G, Baujahr: 1935
   

Diese Victoria zeigt auf, wie fähige Ingenieure oftmals gute Ideen umsetzen und dabei doch am Käufer vorbeidenken. In diesem Fall heißt der Konstrukteur Hans Lackler, ist gebürtiger Wiener und war ab 1933 bei Victoria beschäftigt. Er machte sich Gedanken über ein autobahntaugliches Motorrad, nachdem 1932 das erste Teilstück von Köln nach Bonn eröffnet wurde. Das war nur ein kleiner Abschnitt der insgesamt 1500 Kilometer, die zu dem geplanten Reichsautobahn – Netz gehören sollten. Übrigens hieß die damals noch Autostraße und wurde keineswegs von Adolf Hitler erfunden, wie meist behauptet wird. Die Planung dafür war schon lange vor seiner Machtergreifung abgeschlossen, das Nazi Regime hat lediglich die (militärische) Bedeutung erkannt und den Ausbau dementsprechend forciert.

Lackler jedenfalls arbeitete an einem Motorrad, das für diese neue Art von Straße geeignet sein sollte. Es musste einerseits schnell sein (um die 100 Km/h war die Vorgabe), andererseits aber auch hohe Belastungen aushalten können. Das Produkt seiner Überlegungen war die Victoria KR 35B. In deren geschlossenem Rohrrahmen saß ein seitengesteuerter Motor (der übrigens bei ILO in Pinneberg gebaut wurde) mit 350 ccm, an den ein Hermes Dreigang Getriebe mit Handschaltung angeblockt war. Für gutes Handling sorgte eine Tiger Gabel. Mit 15 PS Leistung war sie den obengesteuerten Sportmodellen der Konkurrenz durchaus ebenbürtig.

„Autobahn Maschinen müssen ausdauernd sein, eine gute Straßenlage besitzen und hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten ermöglichen. Die neue Hochleistungsmaschine Victoria KR 35 wurde speziell für die hohen Ansprüche gebaut, die die neuen Autobahnen stellen. Sie ist wohl die schnellste untengesteuerte 350ccm Maschine, die sich auf dem Markt befindet, und weist viele Vorteile gegenüber den empfindlichen obenge-steuerten Sportmaschinen auf“ so warben die Victoria Kreativen für die KR 35. Dass im Jahr der Markteinführung, 1935, erst das zweite Teilstück (Darmstadt – Frankfurt) des Autobahn – Netzes fertiggestellt wurde, mag mit ein Grund gewesen sein, dass sich kaum Käufer für sie fanden. Auch das Modell „G“ (für Gelände), das sich von der „B“ durch den hochgezogenen Auspuff und den offenen Kettenschutz unterschied, half wenig. Als der Autobahnbau so richtig in Schwung kam, gab es die Autobahn – Maschine von Victoria nicht mehr. Ihre Produktion wurde Ende 1936 nach nur ca. 800 verkauften Einheiten beider Varianten eingestellt.

Victoria KR 35 G
Baujahr 1935

Besitzer: Hans Unterleitner
Attnang Puchheim