das virtuelle Museum des Motorrad-Veteranenclub Attnang Puchheim

Text und Fotos: Hannes Denzel


 
TWN BD 250, Baujahr 1942
   
Ganz hatte Siegfried Bettmann offenbar Deutschland nicht vergessen können, nachdem er ins britische Coventry ausgewandert war und dort die erfolgreiche Fahrradfabrik „Triumph Cycle Company“ gegründet hatte. 1896 initiierte er in seiner alten Heimatstadt Nürnberg eine Niederlassung, wobei ein Teil des notwendigen Stammkapitals und die Konstruktionspläne aus Coventry kamen, dafür aber auch ein Gewinnanteil dorthin abgeliefert werden mussten.

Ab 1903 wurden in Nürnberg auch gleichen Motorräder gebaut wie in Coventry, allerdings erzwang geringer Absatz schon 1907 wieder eine Einstellung dieser Sparte, dafür kamen Schreibmaschinen ins Programm. Einen Neuanfang gab es 1919 mit der „Knirps“, einem Lizenzbau des englischen Triumph Modells „Junior“. Ab da wurde wieder ein Großteil der englischen Produktpalette übernommen, bevor es 1930 zum großen Krach kam: in Nürnberg wurde eine neue Modellreihe mit Schweizer MAG Motoren vorgestellt! Ein Affront für das englische Mutterwerk – die Klage kam prompt, bis zur Urteilsfindung sollte es aber längere Zeit dauern. Und dieses bedeutete für die Nürnberger, dass sie zwar weiterhin den Markennamen „Triumph“ verwenden durften, aber ausschließlich für den Inlandsmarkt. Für den Export musste in Folge zuerst „Orial“ auf den Tank gemalt werden, dieser Name wurde später gegen „TWN“ (die Abkürzung für Triumph Werke Nürnberg“) eingetauscht.

Neue Besen kehren gut und der „Neue Besen“, den sich die Nürnberger 1932 als Chefkonstrukteur ins Haus geholt hatten, hieß Otto Reitz. Schon bei seinem bisherigen Brötchengeber NSU hatte er sich primär mit Zweitaktmotoren beschäftigt, und so entwarf er auch für Triumph – nachdem er vorher die bestehende Modellpalette überarbeitet hatte – Drehschiebermotoren mit 125 und 250 ccm Hubraum. Das hier abgebildete Modell ist die BD 250, die wegen ihrer prägnanten Zylinder-Verrippung (welche die Kühlfläche vergrößern sollte) „Stachelschwein“ genannt wurde. Das Stachelschwein besaß einen modernen Zweitaktmotor, bei dem ein hinter der Kurbelwelle sitzender Walzendrehschieber anstelle des Vergasers mit der Gemischversorgung zuständig war. Auf der Kurbelwelle saßen zwei Kolben parallel auf getrennten Pleueln und bewegten sich in separaten Zylinderlaufbahnen, was perfekte Kühlung und geringen Verbrauch ermöglichte. 12 PS bedeutete eine Literleistung von fast 50 PS ohne Einbusse an Standfestigkeit, ein sensationeller Wert für die damalige Zeit! Leidere kam die BD kurz vor Kriegsausbruch zu spät, um noch große Absätze am zivilen Markt zu erreichen, aber auch das Militär und die Behörden waren angetan vom kleinen, sprintfreudigen Zweitakter, weshalb die Produktion noch bis 1943 weiterlief . Nach dem Krieg lebte Reitz Konstruktion (er selbst war mittlerweile zum Direktor aufgestiegen) in der BDG in stark modernisierter Form weiter.

 

TWN BD 250, Baujahr 1942
Franz Haslinger, Schörfling