das virtuelle Museum des Motorrad-Veteranenclub Attnang Puchheim

Text und Fotos: Hannes Denzel


 
Triumph 500 CTT, Baujahr: 1929
   
Wer ein Faible für englische Motorräder hat, der kommt an der Marke „Triumph“ nicht vorbei. Dabei wurde ausgerechnet diese urenglischste aller Motorradfirmen von einem Deutschen gegründet. Siegfried Bettmann hieß der Mann, der 1884 seine Heimat Richtung England verließ. Schon ein Jahr später gründete er dort eine Firma, die sich mit dem Vertrieb von in Birmingham gefertigten Fahrrädern beschäftigte, die er unter seinem eigenen Namen verkaufte. Aber schnell wurde ihm klar, dass ein klingender Name her musste, um seine Räder zu vermarkten, „Bettmann“ war da wenig zugkräftig. So entstand „Triumph“. 1887 war ein Schicksalsjahr für Bettmann, er verlegte den Sitz seines Unternehmens in die Fahrradhochburg Coventry, wo die meisten Zulieferfirmen saßen, und er nahm den Ingenieur Mauritz Schulte, der wie er aus Deutschland stammte, in seine Firma auf. Schulte war ein Mann mit großem technischem Interesse und Weitblick. Er war es, der 1893 in München eine jener neuen Erfindungen, ein Motorrad der Marke „Hildebrand und Wolfmüller“, kaufte und in seine neue Heimat brachte. Das war die Zukunft für Triumph, darüber waren sich Bettmann und Schulte einig (wie viele andere Fahrradhersteller im technikbegeisterten und innovationsfreudigen England)!
Zuerst experimentierten sie an verschiedenen Lösungen – ein- und mehrspurig -, aber 1902 wurde mit der Serienfertigung der ersten Triumph begonnen. Diese war wie die meisten Produkte jener Zeit nicht viel mehr als ein motorisiertes Fahrrad, aber ihr Grundkonzept ähnelte dem, was für die nächsten Jahre Gültigkeit haben sollte. So waren die Einzylinder-Motoren - die von JAP/ England, Fafnir/Deutschland und Minerva/Belgien bezogen wurden – nicht wie bei vielen anderen Herstellern über dem Vorder- oder Hinterrad, sondern von Anfang an am tiefsten Punkt des Rahmendreiecks angeordnet. Angetrieben wurde das Hinterrad mittels Flachriemen oder über Pedale und Kette, um den Motor in Gang zu bringen, bzw. um nach Hause zu kommen, wenn das Aggregat nicht mehr mitspielte (was häufig genug der Fall war).

Dem Prinzip des Einzylinders hielt man bei Triumph über 50 Jahre lang die Treue. Auch unsere CTT hat einen solchen Motor, einen kopfgesteuerten mit 500ccm Hubraum. Sie stammt aus dem Jahr 1929 und ist eher ein biederes Tourenmodell. Ein Zugeständnis an die Moderne ist der Satteltank, dafür musste der Fahrer noch mit einem handgeschalteten Burman Dreigang Getriebe vorlieb nehmen.

Der originalen Lucas Zündmagneten wurde irgendwann in grauer Vorzeit gegen einen weniger anfälligen Bosch getauscht. Das taten damals viele. So wie diese Triumph haben damals die meisten englischen Motorräder ausgeschaut (und viele auch aus anderswo). Und etliche hatten auch wie hier Sidecars montiert, mit denen sie an den Wochenenden mit der Familie zu Ausflügen aufgebrochen sind, und meistens auch pannenfrei wieder heim kamen.

1929 übrigens brach die Verbindung Triumph – Deutschland. Die englische Firma beendete die Zusammenarbeit mit der deutschen Triumph in Nürnberg, weshalb diese kurzfristig TWN (Triumph Werke Nürnberg) auf den Tank ihrer Maschinen schreiben mußten.


Triumph 500 CTT, Baujahr: 1929
Besitzer: Schopper August, Prambachkirchen