das virtuelle Museum des Motorrad-Veteranenclub Attnang Puchheim

Text und Fotos: Hannes Denzel


 
Standard CT 600, Baujahr: 1929
   

Wenn man sich diese Standard anschaut, denkt man unwillkürlich: „die Engländer bauten halt doch die schönsten Motorräder“ Und unterliegt dabei einem Irrtum. Es gab zwar eine englische Standard, aber die war nicht die einzige mit diesem Namen. Auch in Deutschland existierten zwei Marken dieses Namens: in Westfalen gab es bis 1924 eine Firma, die ihre Motorräder Standard taufte, aber die weitaus bekanntere wurde in Ludwigsburg hergestellt, und zwar von der Standard Fahrzeugfabrik GmbH des Wilhelm Gutbrod. Dieser hatte vorher bei der Motorradfabrik Klotz in Stuttgart gearbeitet und sich nach deren Schließung selbständig gemacht. Seine Maschinen hatten entweder MAG oder JAP Motoren, das Getriebe kam von Burman, und sie schauten wirklich typisch englisch aus.

Die CT ist ein Tourenmodell mit dem wechselgesteuerten MAG Motor mit entweder 500 oder 600ccm Hubraum. Glänzend steht sie da, „british at it‘s best“, mit ihrem langhubigen Motor, der Castle Gabel (Lizenz Brough), die ebenso wie der verchromte Tank nur bei Luxusmodellen verwendet wurde, und nicht zu vergessen die Zweifarb-Lackierung, die eine Standard auch optisch von den anderen meist in Einheitsschwarz gewandeten Modellen der Konkurrenz abhebt.....

Was eine Standard dieser Jahre einzigartig machte, war aber die Straßenlage. Zitieren wir dazu den Katalog der Ludwigsburger Firma: „...der Standard Doppelrahmen mit dreifach verstrebter Hinterpartie, welcher bei allen Luxus-Modellen Anwendung findet. Die Standard Vordergabel , Lizenz Brough, ist die sicherste und beste der Welt. Diese einzigartigen, technisch vollendeten Sonderkonstruktionen übertreffen an Fahrsicherheit und unnachahmbarer, bester Straßenlage alles bisher Dagewesene.“ Und weiter steht zu lesen: „ein besonderes Charakteristikum sind die unübertrefflichen Fahreigenschaften, die es ohne weiteres gestatten, selbst in Schlamm und Schnee, bzw. auf Eis und glattem Asphalt sogar freihändig zu fahren!“ Na Servas! Aber gleich wird abgemildert: „ Wenngleich der vernünftige Fahrer von dieser Möglichkeit im Allgemeinen keinen Gebrauch macht, beweist dies doch die außerordentliche Leichtigkeit und Sicherheit der Standard-Lenkung.“

In den folgenden Jahren kam mit der „Rex“ (die mit 350ccm oder 500 ccm Königswellenmotoren aus eigener Fertigung bedacht wurde) das bekannteste Standard Modell auf den Markt, und mit dem 850 V2 Tourenmodell wohl eines der Schönsten. Leider war danach die Zeit der Luxusmotorräder vorbei, auch bei Standard wurden vornehmlich 2Takt Motoren mit 175 und 250ccm verarbeitet. Kommerziell gesehen war Gutbrod in dieser Klasse natürlich der Konkurrenz (wie DKW) haushoch unterlegen, deren durch große Produktionsmengen bedingte Billigpreise er nicht halten konnte. Da half es auch nichts, dass er durch flotte Modellbezeichnungen seiner Maschinen (die 250er hieß zB. „Feuergeist“) an vergangene Sporterfolge erinnern wollte, kurz vor Kriegsbeginn war das Ende gekommen. Obwohl Gutbrod nur ca. 20 Jahre lang Motorräder in meist geringer Stückzahl baute, hat der Name Standard wegen der Rasse dieser Fahrzeuge bis heute nichts von seinem guten Klang eingebüßt.

Standard CT 600, Baujahr: 1929

Besitzer: Friedrich Höllersdorfer,
Geboltskirchen