das virtuelle Museum des Motorrad-Veteranenclub Attnang Puchheim

Text und Fotos: Hannes Denzel


 
Moto Sertum 500 VL, Baujahr: 1936
   

Jedermann kennt die italienische Marke Moto Guzzi, dazu muss er nicht mal ein intimer Kenner der Oldtimer-Szene sein. Auch die Namen Bianchi, Benelli oder Gilera dürften den meisten geläufig sein, auch sie stammen alle aus Italien, auch sie waren schon vor dem zweiten Weltkrieg dick im Geschäft. Wer aber nördlich der Alpen kennt heute noch zB. Frera, Ganna oder Miller Balsamo? Sie bildeten in den 20er und 30er Jahren nur die Speerspitze einer Unzahl von Herstellern der Motorrad Großmacht Italien, zu der auch die Sertum der Officine Meccasniche des Fausto Alberti gehörte.

Alberti gründete 1922 eine feinmechanische Werkstatt und beschloss 1931, auch Motorräder zu bauen. Diese sollten Sertum heißen. Das erste Modell, ein seitengesteuerter Einzylinder konventioneller Bauart war gut genug, sich am nationalen Markt durchzusetzen, was es Alberti ermöglichte, sein Angebot zu erweitern. Ein durchschlagender Erfolg war die Batua (der Name kommt von einem afrikanischen Pygmäenstamm), ein zweirädriges Nutzfahrzeug mit einem nach vorne geneigten Einzylindermotor mit 119 ccm Hubraum und 2 PS Leistung.
Sporteinsätze waren zur Vermarktung der Batua natürlich nicht notwendig, wohl aber für die Tourenmotorräder, die Alberti baute. Zuverlässigkeitsfahrten und der Geländesport waren das Feld, auf dem das Sertum Werksteam die reichste Ernte einfuhr. 1939 zB. gewann die Marke mit ihren 250er Maschinen bei der Internationalen Sechstagefahrt (die in jenem Jahr im aufrüstenden Deutschland ausgetragen wurde) gleich 5 Goldmedaillen1 Kein Wunder, dass die Sertums immer ein bisschen hochbeinig daherkommen, auch der Büffelhornlenker passt ins Bild. Das gilt auch für die Halblitermodelle (mit ihrer Hinterfederung, die etwas an die Moto Guzzi erinnert), von denen Sertum ab Mitte der 30er Jahre zwei verschiedene Modelle baute. Ein seitengesteuerter Zweizylinder Twin mit angeflanschtem, fußgeschaltetem Vierganggetriebe, sowie ein Einzylinder ähnlicher Bauweise

Moto Sertum 500 VL,
Baujahr 1936

Besitzer: Egon Wimmer,
Attnang Puchheim

 


Nach dem großen Weltkrieg wurden die Sertum Modelle von der 175er bis zur 500er Twin in modifizierter Form wieder aufgelegt. Anfang der 50er Jahre war das Sortiment auf zwei Modelle geschrumpft, die 20er Ghibili und die 500er Maestrale. Dazu kam eine hochmoderne 125er in Leichtbauweise. Nur einige Prototypen wurden von ihr gebaut, der Konkurs mit nachfolgender Schließung verhinderte eine Serienfertigung.