das virtuelle Museum des Motorrad-Veteranenclub Attnang Puchheim

Text und Fotos: Hannes Denzel


 
Imperia Sport , Baujahr 1929
   

Manches deutsche Motorrad wurde nur deshalb zum Verkaufsschlager, weil es so „typisch britisch“ gestylt war. Das war bei Standard so, bei Horex noch mehr, und sogar Marken, die sich durch eine spezifische Motorencharakteristik eine gewisse Unverwechselbarkeit im Aussehen geschaffen hatten, schielten mit einzelnen Modellen gerne auf die Zielgruppe der anglophil angehauchten Fans (zB. der Boxermotorenspezialist Zündapp mit der 500er Sportmaschine mit dem Rudge Python Vierventiler oder DIE Zweitaktmarke Puch mit der Viertakt 500er aus 1929 mit dem seitengesteuerten JAP). Ganz besonders trifft obige Aussage auf Imperia zu. Diese Marke wurde 1924 von Franz Becker in Köln-Kalk gegründet. Becker verwendete ausschließlich Motoren von MAG, JAP, Blackburne und Bradshaw. Seine Motorräder kamen nicht im Frack, sondern im Lauftrikot daher. Sportlichkeit war ihm wichtig, daher steckte er mehr Geld in sein Rennteam, als vernünftig gewesen wäre. Das Ergebnis: 1926 war Becker pleite. Hier könnte die Geschichte schon zu Ende sein, wenn da nicht Dr. Ing. Rolf Schrödter gewesen wäre.

Schrödter übernahm die Marke, verlegte allerdings den Standort der Fabrik ins nahe Bad Godesberg. Sonst änderte er nichts am Konzept seines unglücklichen Vorgängers, schon gar nicht das Engagement im Rennsport. Die Rennmaschinen seines Werkteams waren mit Vierventilmotoren von Rudge ausgerüstet (die vom Lieferanten in Coventry „Python“ genannt wurden). Schrödter erweiterte aber sein Sortiment um wohl eines der schönsten Motorräder, das jemals außerhalb Englands gebaut wurde: die Rheingold, ein schweres Tourenmodell mit einem seitengesteuerten Zweizylinder von JAP mit 850ccm Hubraum. Richtig Geld in die Kasse brachte aber ein anderes Modell: Die Imperia „Sport“, die 1929 auf den Markt kam. Der Name war Programm, der passende Motor kam von MAG aus der Schweiz. Ein Halblitertopf mit im Kopf hängenden Ventilen und – ganz im Trend der Zeit – eine Doppelportauspuffanlage.
Dazu ein Fahrwerk, mit dem man die 22 PS Leistung auch adäquat auf die Straße bringen konnte. Die „Sport“ verkaufte sich gut, und damit könnte die Story ein Happy End haben, hätte sich nicht die politische Situation in Deutschland geändert. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 war es nicht mehr möglich, Motoren aus dem Ausland zu beziehen – nicht zuletzt auch aus Mangel an Devisen. Imperia musste seine Motoren von Bark beziehen, doch waren diese weder besonders leistungsfähig noch übertrieben standfest. Imperia verlor seinen guten Ruf, die Verkaufszahlen sanken. Da half es auch nichts mehr, dass Ing. Schrödter begonnen hatte, eigene revolutionäre Motoren (darunter einen Zweitakt-Gegenkolben-Kompressormotor) zu entwerfen. Für deren Entwicklung zur Serienreife fehlten die Mittel, 1935 war Schluss.
Imperia Sport , Baujahr 1929

Besitzer: Herbert Nußbaumer,
Pinsdorf