das virtuelle Museum des Motorrad-Veteranenclub Attnang Puchheim

Text und Fotos: Hannes Denzel


 
Bücker S 25, Baujahr: 1932
   

„Falke“ oder „FBO“ nannte der Schlossermeister Franz Bücker die ersten von ihm selbst entworfenen Fahrzeuge, die seine 1922 gegründete Firma „zur Herstellung und Instandsetzung von Zweiradfahrzeugen“ verließen. Ab 1924 stand nur mehr Bücker auf dem Tank. Franz Bücker führte seinen Betrieb als reines Familienunternehmen, neben seiner Frau und deren Bruder stand auch sein Schwiegervater bei ihm in Diensten. Angetrieben wurden seine Maschinen von Motoren unterschiedlichster Hersteller, und zwar abhängig davon, bei welchem Unternehmen Bücker gerade als kreditwürdig galt. In den 20er Jahren waren das zB. Bekamo, Cockerell, Columbus, später findet man auch JAP, MAG oder Blackburne, in der Nachkriegszeit bevorzugt Ilo. In Oberursel wurden eigentlich nur die Rahmen gebaut, die Tiger-Gabeln kamen von den Kölner Lindenthal Werken, die Getriebe zB. von Sturmey Archer, Hurth oder Getrag. Bücker war also ein typischer Konfektionär, aber einer der besten. Seine Produkte versprachen allererste Qualität, und so darf man sich nicht wundern, dass er mit der „Sport 1000“ (ausgestattet mit dem JAP ohv Motor) 1930 nicht nur Deutschlands schnellstes, sondern auch mit Abstand teuerstes Motorrad anbot: 2725 RM musste man dafür berappen, BMW’s Paradepferd, die R 16, war um mehr als ein Drittel billiger!

Bücker bot eine umfangreiche Produktpalette, von 100 bis 1000ccm Hubraum war für jede Käuferschicht das passende Gerät vorrätig. Und so sind von jedem Modell nur wenige gebaut worden, das ging so bis zur 250er Illona aus 1955, von der nur mehr ein Prototyp entstanden ist, bevor Franz Bücker seine Firma in eine Ford und Glas Vertragswerkstatt umwandelte Zuletzt sind ohnehin hauptsächlich Mopeds gebaut worden. Bücker starb 1980, von seinen Motorrädern haben kaum 50 überlebt.Eine dieser knapp 50 ist die hier vorgestellte Maschine. Sie wurde vom Erstbesitzer 1939 über einen österreichischen Puch Händler direkt in Oberursel geordert, das beweist der Typenschein. Der heutige Besitzer ist darin erst als dritter eingetragen! Er hat die Maschine auf einem Teilemarkt erstanden, der tolle Originalzustand war ausschlaggebend für die Kaufabsicht. Es handelt sich um eine S25 (Sport 250), mit dem mitgekauften 350er Motor würde sie sich auch in eine S35 verwandeln lassen. Beide Motoren kommen von den Columbus Werken, die in Oberursel gleich in unmittelbarer Nachbarschaft der Bücker Fabrik ihre Heimat hatte.

Bücker Columbus S 25,
Baujahr 1939

Besitzer: Helmut Pamminger,
Vöcklabruck

 


Die Leistung des kopfgesteuerten 250ers wird mit 12,5 PS angegeben, die 350er Ausführung wird um 15 PS bringen. Das Getriebe stammt von Getrag, einem eher weniger bekannten deutschen Hersteller. Das Motorrad steckt voller durchdachter technischer Details, man beachte nur zB. die im Tacho integrierte Uhr, oder die kombinierte Fußbremse, oder die Kupplung, die mittels Handhebel, aber auch mittels Fußpedal betätigt werden kann, oder, oder, oder.........