Jeder kennt sie, obwohl
viele noch nie eine zu Gesicht bekommen haben (der
Vergleich mit dem Ungeheuer von Loch Ness ist, auch
aus anderen Gründen, deshalb durchaus zulässig):
die Böhmerland. Berühmt ist vor allem das
legendäre Langtourenmodell, die Maschine, die
für Fahrer und zwei Beifahrer konzipiert wurde.
Dass man so selten eine sieht, liegt nicht nur daran,
dass wenige der erbauten überlebt haben, sondern
es sind überhaupt so wenig gebaut worden – kaputtmachen
konnte man das Unding sowieso nicht. Aber ihr Konstrukteur,
Albin Liebisch aus dem böhmischen Schönlinde
(ein Dorf in der Nähe von Prag) war als Konstrukteur
einerseits seiner Zeit eindeutig voraus, aber andererseits
für einen Geschäftsmann zu stur, um das
zu erkennen. Und so baute er von 1925 bis 1938 nahezu
unverändert seine Böhmerland, als Langtourer
für 3 Personen oder als Sportmodell für
2. Immer mit seinem selbstentwickelten, kopfgesteuerten
600ccm Einzylinder, immer mit diesem voluminösen
Rohrrahmen (der groß genug war, um dem obenangesprochenen
Loch Ness Monster als Käfig zu dienen), immer
mit den gelochten Scheibenrädern (die den Kunden,
die bis dahin ausschließlich Speichenfelgen
kannten, mehr als suspekt waren, ebenso wie der Tank,
der bei den frühen Modellen hinten, links und
rechts vom zweiten Beifahrersitz, untergebracht war),
immer mit der umständlichen Gabelführung,
und dann erst die Lackierung: knallgelber Rahmen mit
grünen oder roten Blechteilen. Es gab auf der
ganzen Welt kein Motorrad, welches sich mit einer
Böhmerland vergleichen ließ.
Was noch schuld trug, dass so wenig Böhmerland
im Umlauf waren, man konnte das Ding bei keinem Händler
kaufen! Wer eine wollte, musste selbst nach Schönlinde
fahren und sie dort bestellen (da konnte er gleich
Sonderwünsche angeben, die meist sowieso ignoriert
wurden) und sie später selbst abholen – auch
Zustellung gab es keine. Deshalb kursieren auch Gerüchte,
dass nie eine Böhmerland weiter als 100 Kilometer
im Umkreis des Werks verkauft worden sein soll. Jedenfalls
wurde diese kuriose Maschine unter zwei Namen angeboten:
Böhmerland eben für die deutschsprachige
Klientel, Czechie aus patriotischen Gründen.
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