das virtuelle Museum des Motorrad-Veteranenclub Attnang Puchheim

Text und Fotos: Hannes Denzel


 
Bock & Hollender "Regent", 7 h.p.
   
Mutig mussten die Pioniere sein, die es zu Beginn des 20. Jahrhunderts wagten, den Kampf mit einem jener Stahlmonster aufzunehmen, wie sie von der aufblühenden Motorradindustrie auf die Straßen losgelassen wurde. Aber Straßen, kann man das eigentlich so nennen, worauf der damalige Verkehr sich abspielte?
In den Orten handelte es sich meist um mit Kopfsteinpflaster belegte Fahrstrecken, extrem rutschig bei Nässe, überland waren die Fahrbahnen nicht viel mehr als Karrenwege, matschig bei Regen, extrem staubig bei Trockenheit, mit Rissen, Gräben und herumliegenden Steinen übersät,von denen jeder einzelne einen bleibenden Eindruck im Rückgrat des Fahrers hinterließ . Pannen waren daher an der Tagesordnung, meist waren es Reifenschäden, verursacht durch herumliegende Hufnägel. Bei den Kutschern waren Motorradfahrer ohnehin nicht sonderlich beliebt, machten die „knatternden Höllenmaschinen“ doch die Pferde und Ochsen scheu. Als weitere Feinde der Stahlreiter fungierten Bauern, Hunde und Dorfgendarmen. Deshalb wurde Kameradschaft unter den Zweiradpiloten groß geschrieben. Traf man auf einen Gleichgesinnten, wurde angehalten und man tauschte Erfahrungen aus: wie weit ist es noch bis zur nächsten Apotheke, wo man Benzin kaufen kann, wie verhält sich die Bevölkerung der nächsten Ortschaft oder ist es klüger, sie zu umfahren, wie ist der Zustand der Wegstrecke,.....

Bei diesem Motorrad aus jener Epoche handelt es sich um eine Regent der Wiener Firma Bock & Hollender, Baujahr 1906. Ein mächtiges Motorrad mit 1096ccm Hubraum aus zwei Zylindern, die gabelförmig angeordnet waren. Die Leistung wurde mit 7 PS angegeben, und die Maschine hatte sogar eine Zweigang-Nabenschaltung im Hinterrad. Die Firma Bock & Hollender gibt es heute noch, allerdings hat sie mit Fahrzeugen schon seit 1911 nichts mehr zu tun. Ferdinand Trummer, ein Lokomotivführer, konstruierte 1896 ein Fahrrad und nannte es Regent. Noch im selben Jahr entwarf Trummer ein motorisiertes Gepäckdreirad, 1899 dann ein Automobil. Das erste Motorrad kam 1904 und hatte einen Einzylindermotor mit 2,75 PS. 1905 wurde die Leistung auf 3,5 PS angehoben, dazu kamen zwei weitere Modelle: eine Vierzylinder für Beiwagenbetrieb und eine V2. Beide waren völlig unterschiedlich konzipiert, mit Ausnahme der Schaltung im Hinterrad. Hatte die Vierzylinder Kardanantrieb, vertraute die Zweizylinder auf den herkömmlichen Flachriemen und kam insgesamt etwas sportlicher daher. Von der 4 Zylinder ist kein einziges Exemplar erhalten geblieben, und auch diese V2 Zylinder ist die einzig überlebende ihrer Gattung. Lediglich vom Einzylindermodell sind immerhin noch zwei Stück bekannt! Somit ist dieses Motorrad ein echter Dinosaurier der Fahrzeuggeschichte!

Bock & Hollender "Regent" 7 h.p.
Besitzer: Alfons Mair, Giering

 

Normalerweise kann man derart seltene Zeitzeugen nur im Museum bewundern, angestrahlt von kaltem Scheinwerferlicht. Nicht so bei diesem Einzelstück - die Bock & Hollender wird regelmäßig bewegt, und kürzlich hat sie sogar die Typisierung erfolgreich hinter sich gebracht! Sie war nicht nur bei jedem bisher stattgefundenen Gahberg-Victory am Start, sie hat dabei auch jedesmal das Ziel gesehen!