das virtuelle Museum des Motorrad-Veteranenclub Attnang Puchheim

Text und Fotos: Hannes Denzel


 
BMW R 62, Baujahr 1928
   
Wirklich billig war eine BMW nie, und wegen des guten Rufs, den sich die Bayern mit der R32 erworben hatten, konnten sie es sich auch gegen Ende der 20er Jahre leisten, ausschließlich qualitativ hochwertige Kräder zu produzieren. Weil das Geschäft florierte (auch der Flugmotorenbau war nach der weltkriegsbedingten Zwangspause wieder in vollem Umfang angelaufen), leistete man sich noch den Luxus, ins Automobilgeschäft einzusteigen. Dazu kauften die BMW Leute die Fahrzeugwerke Eisenach an, wo ab 1928 der BMW Dixi hergestellt wurde, ein Lizenzbau des englischen Austin Seven.
Aber auch aus einem anderen Grund war das Jahr 1928 von Bedeutung für BMW. Wurden doch mit den Modellen R62 und R63 die bis dato stärksten Motoren vorgestellt, mit 750ccm Hubraum nämlich. Generell wurden die Boxer Motorräder nach dem Baukastenprinzip entworfen. Nachdem schon 1926 der Bau der R39, dem einzigen Einzylindermodell, einer 250er, eingestellt wurde, war die 500er die kleinste. Sie hieß mit seitengesteuertem Motor, der 12 PS Leistung brachte, R52, sowie als kopfgesteuerte Variante R 57, die war 18 PS stark.

Ähnlich war der Leistungsunterschied bei den großvolumigeren Ausführungen. 18 PS leistete die R62 bei 4000U/Min, 24 PS die R63 mit obenliegenden Ventilen. In den folgenden Jahren avancierten diese Maschinen zum Verkaufsschlager, über 10.000 Einheiten konnten bis 1930 abgesetzt werden. Und das nicht nur in Deutschland. Großbritannien und Frankreich zählten ebenso zu den Abnehmern wie die USA, Japan oder Südafrika. Besonders beliebt beim Militär war die R62 in der Gespannausführung, wogegen die Polizei die R52 Solo bevorzugte.

Bereits Ende 1929 wurden diese Modelle schon wieder abgelöst, und zwar von der R11 bzw. der R16. Der Motor war derselbe, auffälligstes Unterscheidungsmerkmal zu den Vorgängermodellen war der verschraubte/vernietete Stahlprofilrahmen, der dem Beiwagenbetrieb besser gewachsen war. Leider ist die Herkunft des schönen „Schlapfenbeiwagens“, der an unserem Fotomodell angebracht ist, nicht eindeutig geklärt, wahrscheinlich handelt es sich aber um einen frühen Rekord.
BMW R 62, Baujahr 1928
Walter Neumayer, Altmünster