das virtuelle Museum des Motorrad-Veteranenclub Attnang Puchheim

Text und Fotos: Hannes Denzel


 
Ariel 550 sv Model A u. Model B, Baujahr 1928/29
   
Obwohl Ariel zu den Motorradpionieren gezählt werden darf, gab es nach dem ersten Weltkrieg keine Motorräder dieses Namens mehr. Die Firmenleitung des Unternehmens aus dem südlichen Birminghamer Stadtteil Selly Oaks hatte sich entschlossen, ausschließlich auf das Automobil zu setzen, ihm schien die Zukunft zu gehören. Nun , mag sein, die Zukunft der Marke Ariel lag jedenfalls weiterhin bei den Zwei- und nicht den Vierrädern. Das erkannte der neue Firmenchef Charles Sangster und holte sich im Sommer 1925 den erfahrenen Konstrukteur Valentin Page, kurz Val genannt. Der hatte sich bisher seine Brötchen bei John A. Prestwich verdient und dort an der Entwicklung der berühmten JAP Motoren gearbeitet. Sangster setzte Page gehörig unter Druck, denn bis zur Motorradausstellung im Herbst desselben Jahres sollten die neuen Modelle herzeigbar sein! Keine leichte Aufgabe für Page, geschafft hat er sie dennoch. Zwei Basismotoren entstanden nach seinen Plänen, ein kopfgesteuertes Aggregat mit 81,8 mm Bohrung und 95 mm Hub (der 500er sollte über 30 Jahre lang im Ariel Programm bestehen), und ein seitengesteuertes mit 86,4 mm x 85mm = 550 ccm Hubraum.

So richtig in die Gänge kam das Geschäft mit den Motorrädern für Ariel dann 1928, als die neuen Modelle mit den Satteltanks vorgestellt wurden. So etwas – obwohl nicht neu – kam bei den Kunden an. Im Katalog dieses Jahres findet man also 5 verschiedene Typen, alle im gleichen, modischen Outfit: neben den kopfgesteuerten Modellen C, D und E die seitengesteuerten Tourenmaschinen A und B. Optisch sind sich diese beiden sehr ähnlich mit den stehenden, 14 PS starken Motoren in den unten offenen Rahmen, und auch technisch sind die Unterschiede gering. Das Luxusmodell B verwöhnt seinen Fahrer mit breiten, schmutzabweisenden Kotflügeln, einem breiten Lenker für Seitenwagenbetrieb und einem modernen, wenngleich immer noch handgeschalteten Dreiganggetriebes von Burman anstelle des Sturmey Archers der Standardversion.

 

Lackiert waren die sv Modelle alle gleich: schwarz mit goldenen Zierlinien und dem Namen Ariel auf dem Tank. Dass das 1928er Model B auf diesen Fotos gegenüber dem Model A (welches übrigens aus 1929 stammt) diese dekorativen, grauen Felder mit den gelb/blauen Linierungen verpasst bekam, muss ein Sonderwunsch seines früheren Besitzers gewesen sein – ab Werk gab es das nicht. Beide Maschinen sind übrigens in Österreich gelaufen (das Model A in Mattighofen, das Model B in Salzburg), beide sind in unrestauriertem, kompletten und fahrbereiten Zustand erhalten geblieben. Ein Glücksfall für ihre heutigen Besitzer!

Ariel 550 sv Model A u. Model B

Bes.: Hannes u. Hermann Asamer
Desselbrunn