das virtuelle Museum des Motorrad-Veteranenclub Attnang Puchheim

Text und Fotos: Hannes Denzel


 
Zündapp KS 750, Baujahr: 1941
   

Die technische Entwicklung bei gespanntauglichen Motorrädern in den 30er Jahren kann man mit einem Wort beschreiben: Aufrüstung! Nicht nur im deutschsprachigen Raum wurden militärtaugliche Motorräder mit Seitenwagenantrieb entwickelt, auch in Frankreich (Gnome & Rhone), Italien (Gilera, Moto Guzzi), England (Norton) und in vielen anderen Ländern war es genauso – sogar bei Harley Davidson in Amerika.

1937 hatte in Deutschland das Heeres-Oberkommando einen Auftrag an BMW und Zündapp zur Entwicklung von schweren Beiwagen-Krädern erteilt. Die bisher verwendeten R12 (von BMW) bzw. die K-Serie (von Zündapp) konnten den geforderten Ansprüchen nicht mehr genügen. Bestimmte Kriterien waren zu erfüllen: Das Gespann musste drei Mann in voller Ausrüstung (mit einer Höchstgeschwindigkeit bis zu 95 Km/h) 350 Kilometer weit transportieren können, die Dauergeschwindigkeit auf Autobahnen wurde mit 80 Km/h festgesetzt, eine Bodenfreiheit von 150mm wurde gefordert, und die Dimension der Reifen wurde mit 4,50 x 16 angegeben. Bei BMW wie bei Zündapp war schnell klar, dass nur eine komplette Neuentwicklung zum Ziel führen würde. Noch während der Erprobungsphasen kamen aber neue Anforderungen vom Heeres-Oberkommando: ein Getriebe mit Rückwärtsgang und das Beiwagenrad sollte einen Antrieb haben.

1939 wurden von Zündapp zwei Prototypen der K 700 (wie die ersten Modelle noch hießen) zur Erprobung geliefert. BMW war mit der R75 etwas später dran. Die Zündapp konnte überzeugen, und deshalb mussten auf Anordnung des Heeres-Oberkommandos einige technische Lösung der K 700 (wie die Differentialsperre) von BMW übernommen werden. 1941 stellte Zündapp noch keine 300 Einheiten der jetzt auf 750ccm vergrößerten KS 750 her, BMW hatte die Produktion der R12 eingestellt und konnte deshalb fast das 10fache dieser Menge ihrer R75 liefern. Aber die Nürnberger zogen nach, und bei Kriegsende (1945) hatte Zündapp über 18.000, BMW über 16.000 Exemplare der Militärkräder gebaut.

Wegen der Robustheit und daraus resultierenden langen Lebensdauer dieser Fahrzeuge wurden diese Gespanne auch nach Kriegende noch häufig verwendet, viele davon in anderen Ländern (Spanien, Griechenland, etc.) Deshalb ist es für einen Sammler kein hoffnungsloses Unterfangen, so eine KS 750 ausfindig zu machen. Wegen der technischen Detaillösungen sind die Wehrmachtskräder unter Oldtimer-Liebhabern nämlich sehr gesucht. Franz Amerings KS führt ein bisschen ein Stiefmutterdasein. Weil sie nicht von BMW, sondern vom Hauptkonkurrenten aus Nürnberg kommt, darf sie nicht im Museum, sonder nur im Magazin stehen – dafür wird sie aber auch öfter bewegt!

 

Zündapp KS 750, Baujahr: 1941

Besitzer: Amering Franz
Motorradmuseum Vorchdorf