das virtuelle Museum des Motorrad-Veteranenclub Attnang Puchheim

Text und Fotos: Hannes Denzel


 
Smart 350 Touren, Baujahr: 1927
   
Thomas Pesendorfer, ein „alter“ Puch Spezi und Fahrer, war auf heftiger Suche nach einer 500er Puch aus den 30er Jahren. Was er gefunden hat, eine 350er Smart, ist zwar ungleich seltener, hat halt nur mit Puch nichts zu tun. Trotzdem ist dafür das Projekt „500er Puch“ etwas in die Zukunft gerückt, aber schließlich haben insgesamt nur mehr vier Smarts überlebt....
Wem der Name „Smart“ jetzt nicht so geläufig ist, hier ein kurzer Blick auf diese österreichische Marke: 1924 gründete Eduard Platzer in Wiener Neustadt eine Firma, die Motorrad-Sättel herstellte und Seitenwägen vertrieb. Und er baute komplette Motorräder, nahezu alle Teile bezog er aus England. Dementsprechend „britisch“ sahen seine Maschinen auch aus. Die Motoren in Hubräumen von 150 bis 600 cm³ (sv- und ohv) kamen von unterschiedlichen englischen Herstellern. Die Modellvielfalt fand 1927 ein Ende, ab da kamen die Motoren ausschließlich von JAP.
Pesendorfers Smart wurde vom Vorbesitzer zu 90% fertigrestauriert, bevor der vom Schicksal dabei rüde unterbrochen wurde und verstarb. Besonders erfreulich für ihn waren die zahlreichen Unterlagen, die dabei waren. Neben Katalogauszügen, Fotos und Zeitungsartikeln fand sich darunter eine schriftliche Aufzeichnung eines Gesprächs, das der Vorbesitzer im Jahr 1984 mit Herrn Emmer, einem ehemaligen Angestellten bei Platzer, geführt hatte. Der erinnert sich daran, dass die Motoren von JAP (350 sv und ohv), Blackburne (350ohv), Villiers (150 und 250 ccm Zweitakt) und auch von MAG (500 ohv) kamen. Getriebe von Sturmey Archer und Burman, Vergaser von Amal und Binks, Rahmenteile und die Gabel von Brampton, die Muffensätze von Lyonel. Weiters erinnerte er sich an den Namen des Piloten des Mini-Werksteams (Walter aus Sieghartskirchen). Die Gesamtproduktion gibt er mit 141 an, den Grund für den vergleichsweise geringen Output nennt er auch gleich: „sehr mies, aber recht teuer“. Zu teuer wohl, um während der Wirtschaftskrise der 30er Jahre bestehen zu können, die letzte Smart wurde 1932 gebaut.
Die 350er Touren-Smart stammt aus dem Jahr 1927, wozu auch die Modellnummer des seitengesteuerten JAP Triebwerks (I) mit 7,7 PS Leistung passt. Sie entspricht im Detail den Katalogabbildungen, nur dass statt des Binks Vergasers ein Amal montiert ist. Brampton Rahmen und Gabel, handgeschaltetes Burman Dreigang-Getriebe, alle Teile typisch englisch, nur das Blech dürfte in Österreich gedengelt worden sein. Typisch die roten Tank-Seitenflächen mit dem Smart Schriftzug. Entgegen Emmers Meinung die Aufschrift auf dem Typenschild: „mit Smart gute Fahrt“. Mit - laut Katalog - 2080,- Schilling ohne Licht und Zubehör war die Smart übrigens doppelt so teuer wie zB. eine 220er Puch.

Smart 350 Touren, Baujahr 1927

Besitzer: Thomas Pesendorfer,
Altmünster