das virtuelle Museum des Motorrad-Veteranenclub Attnang Puchheim

Text und Fotos: Hannes Denzel


 
Servos Biene FM 38, Baujahr 1952
 

„Die Biene“. Der Name dieses Rollers ist gut gewählt. Walter Knapich aus Augsburg hat sich an Piaggos Vespa orientiert, hat aber bei den Charaktereigenschaften unter den Honigsammlern weniger auf die den Wespen zugeordnete Aggressivität sondern vielmehr auf den sprichwörtlichen Fleiß ihrer gelb/schwarz gestreiften Verwandten gesetzt. Überhaupt scheint Knapich werbemässig ein Kapazunder gewesen zu sein: sein erhaltenes Katalogfoto, das eine zierliche Pilotin auf ihrer noch zierlicheren Biene sitzend sich schutz- oder wegsuchend an einen berittenen Uniformierten wendet, der scheinbar turmhoch neben ihr aufragt, ist genial. Ebenso wie der Markenname Servos, was ebenso wie „Servus“ Diener oder Sklave bedeutet. Also die „Diener-Biene“?

Beim Antriebsaggregat hat Knapich wirtschaftlich gedacht und keinen Exoten, sondern einen vieltausendfach bewährten Fahrrad-Hilfsmotor der Marke Vicky FM 38 des Nürnberger Herstellers Victoria zugekauft. Österreichische Himo-Fans wissen jetzt sofort: aha - Das Vorbild des HMW Fuchs-Motors! Und sie wissen auch: führerschein- und steuerbefreit, weil eben nur 38ccm. Dafür mit seiner Leistung von einem (!) PS gut für vielleicht, 30, 40 Kmh.

Die hier gezeigte Biene trägt die Urform des FM 38 mit dem schwimmerlosen Vergaser und der Typbezeichnung „L“ aus dem Jahr 1952. Sie steht heute im Oldtimer-Museum Altmünster und ist mit einem Konvolut Fahrräder aus dem bayrischen Marktflecken Traunstein zum Traunstein an den Traunsee gekommen. Ein ehemaliger Zweirad-Händler namens Gessenharter hat ein Mail ans Museum geschickt, auf seinem Dachboden würde sich ein „Haufen Hoch- und Holzräder“ befinden, die er aus Platzmangel zu verkaufen gedenkt. Walter Neumayer vom Museum hat sich sofort auf den Weg gemacht, denn der telefonisch ausgehandelte Preis für die per Fotos avisierten Zweiräder war OK. Obwohl der Motor-Roller – die Biene – gar nicht in die Verhandlungen involviert war, hat Gessenharter ihn dazugegeben – ebenso wie einen Karton mit einem Restbestand an Werbeklingeln, eine davon schmückt heute auch die Biene.

Der Servo Roller war weniger in einem verbrauchten, als vielmehr in einem abgestanden Zustand. Walter brauchte nur 14 Tage für die Restauration, obwohl eine Neulackierung inklusive Nachfertigung des Schriftzugs notwendigerweise Bestandteil derselben war. Um das motortechnische kümmerte sich Filius Thomas Neumayer. Länger wird es wohl dauern, weitere Hintergrundinformation zu beschaffen, denn wieviele Bienen den Knapich-Stock in Augsburg verlassen haben und weshalb seine Erwartungen hinsichtlich großer Stückzahlen vermutlich enttäuscht wurden liegt noch im Dunkel der Vergangenheit verborgen.

Servos Biene FM 38, Baujahr 1952

Besitzer: Walter Neumayer

Oldtimermuseum Altmünster