|
| |
| Royal
Enfield 350 ohv 1927 |
| |
|
|
Unkompliziert und robust
ist diese 350er Royal Enfield. Technisch nicht besonders
auffällig, aber es macht Spaß, damit zu
fahren, Und wenn der seitengesteuerte Motor den die
sportlichen Ansprüchen nicht mehr genügt,
dann bau man halt den obengesteuerten Motor ein, bei
der 350er Enfield geht das ganz leicht: 1926 entwickelte
Ted Pardoe einen seitengesteuerten Motor mit 350ccm
Hubraum für Royal Enfield, 1927 konnte man für
dieses Modell dann wahlweise einen Motor mit obenliegenden
Ventilen ordern, der von Tony Wilson konstruiert wurde.
Beide Motoren passten ins ansonsten identische Fahrzeug.
Made like a Gun“ trug die Waffen- und Fahrzeug-firma
Royal Enfield imLogo. Und sie kämpfte auch ständig,
nämlich ums Überleben. Denn ganz egal, was
man bei Enfield herstellte, irgendwie erwischte man
immer eine Krise und musste seine Produktlinie komplett
umstellen. Aber die Leute aus dem Unternehmen in Bradford-on-Avon
waren flexibel genug, um immer wieder die Kurve zu
kriegen, und deshalb gibt es heute noch Motorräder,
die Royal Enfield heißen...“ |
Begonnen hatte alles schon um 1890,
damals stellten die englischen Brüder Townsend
Nadeln, Präzisionsgeräte und Fahrradersatzteile
her, erst nach der Übernahme durch die Eadie
Manufacturing Company wurden 1893 komplette Fahrräder
gebaut. Und zwar so gute, dass die „Royal Small
Arms Factory“, eine Waffenfabrik aus Enfield, an
einer Zusammenarbeit interessiert war. Die zweirädrigen
Produkte dieser Kooperation hießen „Royal
Enfield“ und bekamen den oben angesprochenen Slogan
verpasst. 1896 wurde die Fahrradproduktion aus der
Waffenfabrik ausgegliedert und unter dem Namen „New
Enfield Cycle Company“ auf eigene Füße,,
bzw. Räder gestellt. Und da kam die erste Krise:
es gab in England viel zu viele Firmen, die Fahrräder
bauten, und dazu die Billig-Importe aus Amerika....Wie
manch andere Firma auch (Ariel, Humber, Singer,
BSA, etc.) hoffte Royal Enfield, mit der Produktion
von Motorfahrzeugen dem Dilemma zu entkommen – mit
Erfolg. Auf der Stanley Show in London 1900 zeigte
Enfield zwar noch kein einspuriges Motorrad, aber
mehrere Drei- und Vierräder, die alle von De-Dion
Motoren angetrieben wurden.
|
 |
|
 |
Erst im folgenden Jahr kam nach dem Vorbild
der französischen Werner ein Einspur-Fahrzeug heraus,
angetrieben von einem über dem Vorderrad montierten
Minerva-Motor, der über Keilriemen das Hinterrad antrieb.
1903 dann brachte Enfield eines der ersten Motorräder
mit Kettenantrieb. Und das kam rechtzeitig zur nächsten
Krise, diesmal die Motorradindustrie treffend. Also baute
man wieder Fahrräder, und zusätzlich Automobile
– aber nur bis 1909, denn dann rüttelte eine Krise
die Autoproduzenten! |
Kein Problem für Royal
Enfield, stellte man eben wieder Motorräder her! Die
wurden jetzt mit einem V2 Zylinder Einbaumotor der Schweizer
Firma Motosacoche ausgestattet, Hubraum 297ccm. In der Folge
kamen die unterschiedlichsten Modelle heraus, großteils
mit Konfektionsmotoren ausgerüstet. Als erster englischer
Hersteller brachte Enfield 1914 aber auch einen im eigenen
Haus entwickelten Zweitakter. Äußerst kreativ
ging es in der Entwicklungsabteilung zu, dort wurden unter
anderem Drehschieber-Motoren, ein Dreizylinder Zweitakter
oder ein Diesel-Boxer für Militär Zwecke entwickelt.
Aber berühmt geworden ist Enfield für seine robusten
Alltags-Motorräder, die häufig auch bei Geländesport
Einsätzen Erfolge verbuchen konnte – was dem Namen
Royal Enfield bis heute ein Überleben sicherte –allen
durchlittenen Krisen zum Trotz.
|
 |
 |
|
Royal
Enfield 350 ohv, 1927 |
Besitzer:
Alfred Grösselbauer, Eberschwang |
|
|