das virtuelle Museum des Motorrad-Veteranenclub Attnang Puchheim

Text und Fotos: Hannes Denzel


 
Puch T3, Baujahr: 1938
   

1929 tat sich so einiges aus motorradhistorischer Sicht: in den USA löst der Börsenkrach eine Weltwirtschaftskrise aus, deren Folgen aber erst in den kommenden Jahren spürbar werden sollte. Bei der heimischen Industrie war noch alles eitel Wonne, besonders in Graz: die Puchwerke AG. hatte sich mit Austro Daimler zur Austro Daimler Puchwerke AG. verheiratet, und bei der Automobil- und Motorradmesse in der Wiener Rotunde wurden im Frühjahr zwei neue Modelle vorgestellt. Die 500er war für Gespannfahrer vorgesehen und wurde mit dem bärenstarken englischen JAP Triebwerk ausgestattet, und die 250er stellte eine Weiterentwicklung der 220er dar und passte sich jetzt der international gebräuchlichen Hubraumformel des Viertelliters an.

Die Techniker bei Puch unter der erfahrenen Leitung von Giovanni Marcellino hatten sich aber nicht begnügt, einfach den Hubraum zu vergrößern (wie es beim Sprung von der 175er zur 220er geschehen war), sondern sie hatten ein eigenständiges neues Motorrad geschaffen, bei dem viele Neuerungen erkennbar waren. Da war zuerst der Doppelkolben-Zweitakt-Motor, der jetzt nicht mehr längs, sondern quer im Rahmen verbaut war. 2 x 45 mm Bohrung und 78 mm Hub ergaben exakt 248 ccm. 6 PS Leistung bei 3000 U/Min. waren damals eine durchaus respektable Leistung. Das Dreiganggetriebe wohnte im selben Block wie der Motor und wurde per Handhebel betätigt. Der Kraftschluss fand im Hinterrad statt und zwar in Form einer „patentierten Innenexpansionskupplung mit progressiver Wirkung“, so stand’s seinerzeit in der Betriebsanleitung. Der Rahmen wurde als Doppelschleifenrahmen bezeichnet, in Wirklichkeit gabelte sich das vordere Rahmenrohr lediglich vor dem Motor, um Platz für den Magneten zu schaffen.

Jedenfalls war der Rahmen wesentlich niedriger als bei der 220er, und vermittelte dem tiefer sitzenden Piloten ein wesentlich sichereres Fahrgefühl. Der Benzintank setzte sich aus zwei seitenverkehrten Hälften zusammen, die über das obere Rahmenrohr gehängt wurden, wobei jeder einen extra Einfüllstutzen hatte. Als Verbrauch veranschlagte das Werk ca. 2,8 Liter Benzin und 0,25 Liter Öl auf 100 Km, das ganze Gefährt wog so um die 100 Kg und erreichte wohl eine Spitzengeschwindigkeit von etwa 90 Km/h.

Das lag ganz im Sinne der Verbraucher, die 250er Touren verkaufte sich prächtig. Über 13.000 Einheiten fanden treue Kunden. Die Konkurrenz kam aus dem eigenen Haus, und zwar 1934 in Form der S4. Die leistete ungetunt schon 10,5 PS, was für satte 100 Km/h reichte, und verfügte über ein Vierganggetriebe. S4 stand für Sport – Viergang, und sinngemäß hieß die kleine Schwester jetzt T3, für Touren Dreigang. Im Lauf der Jahre (sie wurden offiziell bis 1939 gebaut, einige Maschinen aus liegen gebliebenem Material dürften auch später noch die Fabrik verlassen haben) machten beide einige Metamorphosen durch: optisch auffällig zB. der „lange“ Auspufftopf ebenso wie die Pressblech- anstelle der Rohrgabel.

Thomas Pesendorfers T3 präsentiert sich frisch lackiert – der Zustand hat eine Totalrestauration erfordert. Die 250er Puchs waren ja auch nach Kriegsende noch lange im harten täglichen Einsatz - es gab anfangs nur wenige, die sich das Nachfolgemodell TF leisten konnten. Eine Vorkriegspuch war leicht zu haben, denn nur zur Veranschaulichung ihrer Beliebtheit hier abschließend ein bisschen Statistik: 1938, als diese T 3 gebaut wurde, trugen von 37.000 in Österreich registrierten Motorrädern satte 32.000 den Puch-Adler am Tank!

Puch T 3, Baujahr 1938

Besitzer: Thomas Pesendorfer

Neuklirchen bei Altmünster