das virtuelle Museum des Motorrad-Veteranenclub Attnang Puchheim

Text und Fotos: Hannes Denzel


 
Puch X30, Baujahr: 1962
   

In den 60er Jahren wurden neue Gesetze für kleine Motorzweiräder verabschiedet, zuerst in der Schweiz. Hier sollten schon 14jährige in den Genuß der Motorisierung kommen, die dafür erlaubten Hummeln durften maximal 30 Kilo schwer und 30 Km/H schnell sein. Außerdem mussten sie per Pedalantrieb unabhängig vom Motor fortbewegt werden können.

Puchs Antwort auf diese Vorgaben kommt 1962 und lautet X 30. Auf den ersten Blick scheinen viele Parallelen zum Erfolgsmodell MV 50 zu überwiegen, wenn man genauer hinschaut, erkennt man aber doch, dass es sich um eine völlig eigenständige Konstruktion handelt, die, wie bei Puch üblich, bis ins Detail durchdachte Lösungen anbietet.

Da ist zuerst das Fahrwerk: ein kräftiger, U-förmiger Einrohrrahmen, an dem unterhalb des Sattels am Sitzrohr den Benzintank (Fassungsvermögen 3,7 Liter) befestigt ist. Das erlaubt einen tiefen Durchstieg, Damen mit langen Röcken (so was gab’s damals noch!) stellt sich hier kein Hindernis in den Weg. Die Teleskopvorderradgabel mit integriertem Scheinwerfer kommt tatsächlich vom MV 50, eine Hinterradfederung gibt es aber nicht. Am tiefstgelegenen Punkt des Rahmens ist der Motor befestigt, ein Zweitakter Einkolbenmotor (38 mm Bohrung x 43 mm Hub ergeben 49 ccm Hubraum) mit Umkehrspülung, der mittels Radialgebläse gekühlt wird. Beatmet wird der Murl durch einen kleinen Bing-Nadeldüsen-Vergaser. Damit die Röcke schön sauber bleiben, versteckt sich der Motor hinter einer zweiteiligen Kunststoffabdeckung, die mit wenigen Handgriffen demontiert werden kann. Gestartet wird der Motor durch Antreten mit den Pedalen, Hilfe kommt von einem Dekompressor. Die Schaltung des Zweiganggang-Getriebes erfolgt per Hand. Die Laufräder (23 x 2,00“, hinten mit Rücktritt-, vorne mit Innenbackenbremse) wiederum kommen vom MV 50.

Obwohl das X 30 mit einem Verkaufspreis von Schilling 3.680,- das billigste aller Puch Modelle ist, geht der Absatz in Österreich mehr als schleppend. Der Konkurrent kommt ja aus dem eigenen Haus. Die meisten X 30 gehen in den Export, nach Deutschland und natürlich in die Schweiz. Auch eine Preisreduzierung auf 3.100,- Schilling bringt nicht viel, 1964 wird die Produktion eingestellt. Das bedeutet aber nicht das Ende des Namens und vieler der Ideen. Unter der selben Bezeichnung kommt ein Mofa mit Automatikgetriebe, dem ein langes Leben und hohe Verkaufszahlen beschieden ist.

Puch X 30, Baujahr: 1962

Besitzer: Manfred Blohberger
Steyrermühl