das virtuelle Museum des Motorrad-Veteranenclub Attnang Puchheim

Text und Fotos: Hannes Denzel


 
Puch 500 Luxus, Baujahr 1936
   

Hatte Puch vor dem ersten Weltkrieg ausschließlich Viertakter gebaut, kam in den 20er Jahren eine technische Wende, hervorgerufen durch Ing. Giovanni Marcellino, der mit dem Konzept des Doppelkolben-Zweitakters und Leichtmotorrädern das Grazer Unternehmen aus der finanziellen Senke holte. Die 125er LM, das 220 Modell sowie die 250er wurden zum Hit. Was dem Publikum aber fehlte, waren hubraumstärkere Modelle, die auch Seitenwagentauglich waren. Also musste man sich in Graz etwas einfallen lassen – das tat man, nachdem man 1929 einen Versuch mit dem englischen JAP Triebling gewagt hatte, ab 1931 mit einem eigenen Motor.

1931 also wurde das Modell „Z“ (für Zweizylinder) entwickelt, bei dem zwei 250er Motoren zu einem 2Zylinder/4Kolbenmotor vereinigt wurden. Beide Zylinder und auch die Kurbelwelle lagen in Längsrichtung, versorgt wurden sie von einem gemeinsamen, eigens entwickelten Vergaser. Diese Motorräder mit einer Leistung von 14 PS bei 38oo U/Min. kamen – auch bei Gespannfahrern – sehr gut an, und so wurde die 500er bis zu ihrem Produktionsende 1938 ständiger Modellpflege unterworfen. Der Nachfolger der Z kam schon 1932 und hieß „N“ (für Neue Ausführung), sie ist optisch von der „Z“ kaum zu unterscheiden, der in blau/beige lackierte, aus zwei Hälften bestehende Kraftstofftank wurde erst bei der „V“ (Viergang, sie kam 1934) durch eine verchromte Version ersetzt.

Das nächste Modell hieß „L“ (für Luxus) und erschien 1936, wir haben hier das passende Fotoobjekt. Diese spezielle Puch wird heute im Solobetrieb gefahren und hat schon so manche Oldtimer-Veranstaltungen miterlebt, wo sie ihren Besitzer noch nie im Stich gelassen hat. Die chromblitzenden Flanken der Tankhälften vermitteln schon von weitem den „luxuriösen Touch“, mit dem sie ihrer Bezeichnung gerecht wird. Darüber hinaus unterscheidet sich die „L“ von der „Z“ durch das Vierganggetriebe, die Pressstahlgabel, den in den Scheinwerfer integrierten Walzentacho oder die verchromten Felgen. Nur knapp 400 Stück sind von der „Luxus“ entstanden, bevor mit der „VL“ (für „Viergang-Luxus“) schon das Nachfolgemodell auf den Markt kam. Der Besitzer kann zu Recht stolz auf seine seltene Zweizylinder sein, denn insgesamt sind von allen 2 Zylinder Modellen der 500er nur etwas über 4500 Stück entstanden!

Puch 500 Luxus,
Baujahr: 1936

Besitzer: Alois Schmalwieser
Gaspoltshofen