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| Puch
125 RL, Baujahr 1954 |
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Die Puch Marketingstrategen hatten den Markt genau analysiert
und wussten, welche Art von Fahrzeugen in den Nachkriegsjahren
gefragt waren. Daher stellten sie den sportlichen Blechschalenmodellen
neue Typen zur Seite, die eine ganz andere Käuferschicht
ansprachen: zum einen waren da die Mopeds, wobei mit dem
MS 50 ein Dauerbrenner entstehen sollte, der sich bis
in die 80er Jahre zwar weiterentwickelt, aber technisch
in seinen Grundzügen unverändert verkaufen ließ,
und zum anderen der Roller, der von Italien ausgehend
seinen Eroberungsfeldzug durch ganz Europa angetreten
hatte. So richtig ins Laufen kam das Geschäft mit
den sparsamen, kleidungsschonenden Vehikeln Mitte der
50er Jahre, als Puch den 125er RL optisch etwas aufgepeppt
hatte. Lesen wir, was der Katalog seinen potentiellen
Kunden damals suggerierte:
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„Eleganz, Leistung und Temperament sind
die Merkmale eines rassigen Fahrzeugs, wie es sich jeder
Motorfreund wünscht. Zu diesen hohen Qualitäten
kommen beim Puch Roller Fahrkomfort und große Wirtschaftlichkeit.
Ja, noch mehr: der Puch Roller verbindet die Fahreigenschaften
des Motorrades mit allen Bequemlichkeiten des modernen
Rollers. Er ist damit das Universal Fahrzeug unserer Tage.
Der Puch Roller ist heute schöner denn je: die Eleganz
seiner Stromlinienkarosserie wurde durch eine zusätzliche
Chrombestückung am Kotflügel des Vorderrads, am
Knieschutz, an den Fußrasten sowie an der Front und
den Seitenwänden der Motorhaube unterstrichen.
Die Leistung des Puch Rollers wurde bei internationalen
Wertungsfahrten und bei Reisen in alle Welt eindrucksvoll
unterstrichen. Als einziger Roller absolvierte er die schwere
Strecke der Österreichischen Alpenfahrt. Die Turrach
bezwang er vor kritischen Zeugen, und auch bei der Deutschlandfahrt
bewies er seine unerhörte Straßenlage, als er
auf der Solitude Strecke mit über 80 Km/h Schnitt die
schnellste Runde aller Roller bis 175ccm fuhr. Die 12“ Räder
bringen ihm eine unbestreitbare Überlegenheit, erhöhten
Fahrkomfort und bessere Bodenhaftung.
Das Herz des Rollers, der Motor, ist zentral gelagert, gebläsegekühlt
und kann sein Temperament ruhig zeigen. Sie fahren damit
einen langen Gebirgspass ebenso sicher wie eine schlechte
Landstraße, ein kurvenreiches Gefälle oder eine
regennasse Betonbahn. Verlässlich wirkende Innenbackenbremsen
an Vorder- und Hinterrad nehmen jedem Hindernis die Gefahr.“
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Der Puch Roller ist das
billigste Luxusfahrzeug seiner Klasse. Seine große
Wirtschaftlichkeit wirkt sich vor allem beim fahren längerer
Strecken aus, und auch in der Stadt besticht er durch seinen
hohen Fahrkomfort. Während sie gestern auf der Landstraße
mit flotten Motorrädern Schritt gehalten haben, bewegen
sie sich heute leicht und wendig mit ihrem Puch-Roller im
dichten Stadtverkehr. Sie sind als erster vorne beim Fußgänger-Übergang,
sie ziehen als erster weg, wenn „Grün“ kommt! Zum bequemen
Fahren in der Stadt gehört selbstverständlich
auch der Schutz der Kleidung vor Straßenschmutz, der
durch das breite, strömungsgünstige Knieschild
abgefangen wird. Auch die Kleidung der Dame auf dem hervorragend
gefederten Rücksitz ist durch die verlängerte
Bodenfläche der Karosserie geschützt (auf den
Gedanken, dass die Damenwelt vielleicht selbst zum Lenker
greifen könnte, war man damals noch nicht gekommen). |

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| Es gilt für
alle Motorfreunde auf der ganzen Welt: sie kennen keine
Wochenkarte mehr und keine überfüllte Straßenbahn,
keine Hetzerei, kein Zuspätkommen und kein flaues Wochenende,
kein volles Strandbad und kein Taxi. Aber sie kennen erst
die Bequemlichkeit des Alltags, das Hochgefühl, schneller
zu sein als andere. Sie kennen die Freude des Urlaubs, eines
Naturerlebnisses und eines Motors erst ganz mit ihrem Puch-Roller,
dem Fahrzeug für flinke, fröhliche Fahrer."
Scheinbar hatte Puch hier ein allgemeingültiges Wundermittelt
zur Bekämpfung von Depressionen, zur Hebung der Moral,
zur Unterstützung in jeder Lebenslage und zur stressfreien
Überbrückung jedweder Distanz in x- beliebiger
Zeit erfunden. Liest man den text in derselben Euphorie,
mit der er geschrieben wurde, erwartet man, dass man mit
seinem Puch Roller nicht nur der absolute schnellste und
sicherste Verkehrsteilnehmer ist, sondern damit auch Orangen
auspressen, Mörtel anrühren, Wäsche bügeln
und sich in exotische Länder beamen kann.
Bei allem Patriotismus, die Realität war natürlich
etwas prosaischer. Der Puch Roller war (und ist) ein technisch
wenig aufwändiger, optisch im Vergleich zur Konkurrenz
etwas altbackener, aber standfester, wartungsarmer, gutmütiger
und treuer Weggefährte mit einer hohen Lebenserwartung.
Das beweist die große Anzahl noch existierender Exemplare,
die die oftmals rüde Behandlung ihrer Erstbesitzer
überlebt haben und sich heute entweder in guten Händen
von Oldtimersammlern befinden, oftmals aber nach wie vor
im ganz normalen Alltagseinsatz bewegt werden. Der Puch
Roller, quasi das zweirädrige Pendant zum unverwüstlichen,
auch farblich ähnlichen Steyr Traktor!
Unser Fotomodell gehört dem Sohn des MVCA Obmanns Hans
Preuner, Hans-Peter. Er hat ich n eigenhändig unter
Anleitung des Vaters restauriert und übte sich damit
die Fingerfertigkeit ein, die ihm beim Aufbau und der Betreuung
seiner Yamaha TZ 250 und 350 zu Gute kommt. Natürlich
bleibt der RL aus dem Jahr 1954 aus sentimentalen Gründen
weiter im Haus, er ist ja gewissermaßen ein Gesellenstück
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Puch
125 RL, Baujahr 1954 |
Besitzer: Hans-Peter
Preuner
Attnang Puchheim
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