das virtuelle Museum des Motorrad-Veteranenclub Attnang Puchheim

Text und Fotos: Hannes Denzel

 
Jawa Typ 15, Baujahr 1956
   

Ing. Frantisek Janecek betrieb in Nusle bei Prag eine Waffenfabrik. 1929 erwarb er die Lizenz zum Bau der deutschen Wanderer Motorräder (bei der Suche nach Partnern war auch Puch kurz im Visier gewesen). Aus den Anfangsbuchstaben beider Namen ergab sich die Bezeichnung Jawa. Die Konstruktion war allerdings nicht besonders fertig-gedacht (Motor- und Getriebeprobleme waren ebenso alltäglich wie brechende Preßstahlrahmen) und das Produkt daher schwer absetzbar. Janecek gab aber nicht auf, engagierte den englischen Techniker George William Patchetts und kümmerte sich um den Erwerb weiterer Lizenzen.

Auch diese Lizenzenkamen von der Insel, speziell genannt seihier der Zweitakt-Motorenspezialist Villiers. Diese Technologie prägte Jawa bis weit in die 50er Jahre (in der unser Fotomodell entstand), die Marke ist in unseren Breiten hauptsächlich für blau dunstende Motorräder mit 125 und 250er Motoren und für ihre Erfolge im Geländesport bekannt. 15 Siege bei Six Days Fahrten zeichnen hierfür verantwortlich, und die Dominanz bei Eis- und Grasbahnrennen war legendär (eine Folge der „Einverleibung“ der auf Bahnmaschinen spezialisierten Marke ESO).

Letzteres bringt uns aber unserem eigentlichen Thema schon näher, denn die Bahnrenner waren ebenso mit hauseigenen Viertaktern bestückt wie die Straßenrenner, die auch nicht ganz erfolglos waren. Schon in den dreißger Jahren baute Jawa 350 er Modelle mit Viertaktmotoren, die ohc Variante sah (allerdings nur) beim ersten Hinsehen sogar aus wie ein Königswellenmodell. Aber erst der 1952 vorgestellte Typ 15/00 hatte tatsächlich einen ohc Motor, ausgeführt als Parallel Twin. Zu diesem Zeitpunkt war Jawa bereits verstaatlicht und mit den Marken CZ, ESO und Ogar zusammengeschlossen worden. Vielleicht wird deshalb eine Jawa in Österreich häufig etwas gering geschätzt und als Ostblock—Traktor herabgesetzt. Zu Unrecht, wenn wir uns diese bildschöne, knallrote Maschine mit den leicht nach vorn geneigten Zylindern: das Aggregat sitzt in einem stabilen Vierkant-Stahlrohrrahmen und zeigt die gekapselte Nockenwelle nach rechts außen, wo sie allerdings von dem ebenfalls in ferrarirot lackierten Velorex Seitenwagen verdeckt wird. Teleskopfederung vorne u8nd hinten gehörten in diesen Baujahren schon zum Standard. Sehr modern wirkt die in die Gabelführung integrierte Lampenverkleidung.

Dass dieses Detail sehr an die englische Triumph erinnert, kommt nicht von ungefähr, allerdings waren es nicht die Jawa Designer, die da über den Teich geschielt haben: der Chef von Triumph, Ted Turner, hatte sich 1946 auf dem Pariser Salon die dort ausgestellte 250er Jawa scheinbar sehr genau angeguckt …

Obwohl die Bedienungsanleitung in mehreren Sprachen ausgeführt war, kam die 500er nie in den Export. Es musste erst der eiserne Vorhang fallen, bevor dieses 28 PS starke und knapp 150 Km/h schnelle Motorrad als Oldtimer auch in andere Länder ausgeführt wurde – heute, wo Tschechien Mitglied der EU ist, kein Thema mehr …

Jawa Typ 15 500 ohc,
Baujahr 1956

Besitzer: Hans Preuner jun,
Attnang Puchheim