das virtuelle Museum des Motorrad-Veteranenclub Attnang Puchheim

Text und Fotos: Hannes Denzel


 
Douglas Model "J" Sport, Baujahr: 1920
   
Nach wie vor geht vielfach die Legende um, die Bayern hätten Kardanantrieb und Boxermotor erfunden, beides technische Merkmale, die signifikant für die BMW’s aus München sind. Wahr ist aber vielmehr: der Kardanantrieb kommt vom Fahrrad, FN in Belgien war die erste Firma, die ihn verwendet hat. Das war zu der Zeit, als das Radfahren auch bei Frauen in Mode kam, so 1892 oder ’93.

Und den Boxermotor? Den hat zumindest ein Deutscher erfunden, nämlich Carl Benz, der ihn von 1897 bis 1902 in seinen Autos verwendete. „Contra Motoren“ nannte er die Gegenläufer. Von der Laufruhe und Vibrationsarmut des Boxers war auch der Engländer Frederick Lanchester angetan, auch seine Autos waren damit ausgestattet. Die Lanchester Wagen waren Vorbild für John Joseph Barter. Anfangs experimentierte der mit einem Einzylindermotor, wandte sich dann aber dem Boxerprinzip zu. Das von ihm entwickelte Aggregat mit 200ccm Hubraum baute er in einen Fahrradrahmen ein. Erst „Fairy“, später „Fee“ nannte er seine Maschine. Allerdings war das Gefährt höchst defektanfällig. Der junge Walter William Moore (ebenjener Moore, der später bei Norton und NSU mit seinem Königswellenmotor berühmt wurde!) machte ihn auf den Fehler aufmerksam: weil beide Zylinder gleichzeitig gezündet wurden, war die Kurbelwelle der Belastung nicht gewachsen. Barter hätte Moore gerne als Assistent in sein neugegründetes Unternehmen, die Lights Motor Limited, aufgenommen, aber der lehnte ab. Barter aber musste sich selbständig machen, weil ihm der Chef der Parnall Scale Company, bei der er beschäftigt war, 20 Pfund für „Freizeitarbeit“ in der Firma verrechnet hatte! Ein Jahr später war Barter bereits pleite und löste seine Firma auf. Aber der Familienbetrieb Douglas aus Bristol, eine angesehene Gießerei, die auch Aufträge für die Light Motor Ltd. durchgeführt hatte, übernahm den Betrieb samt Barter – und stellte später auch Moore als Konstrukteur ein!

1907 erlebte die „Fee“ ihre zweite Premiere bei der Motor Show London, nur stand jetzt Douglas auf dem Tank. Der Hubraum war auf 340ccm gestiegen, aber sonst entsprach das Modell „A“ in etwa der „Fee“: ein Fahrradrahmen, knapp unter dem Tank hing längs der Motor, Getriebe gab es keines. 27 Exemplare entstanden in diesem Jahr, 24 davon wurden auch verkauft. Nicht viel besser ging es im darauffolgenden Jahr, von den Modellen „B“ und „C“ wurden zusammen nicht mehr als 50 Einheiten gebaut! Der Erfolg kam mit dem Modell „D“ im Jahr 1909. Der Motor lag etwas tiefer, was durch einen neuen Rahmen möglich wurde, und er hatte erstmals eine Simms Magnetzündung. Später im Jahr kam ein Zweiganggetriebe. Derart ausgerüstet, konnte Douglas beim Six Days Trial im schottischen Hochland den Teampreis erringen. „Win on sunday, sell on monday“, und wie man ab da verkaufte! Über 1000 Maschinen wurden 1909 abgesetzt! Endgültig in aller Munde war Douglas, als Eli Clark (der für Douglas Rahmen lieferte) 1910 das „End to End“ Rennen gewann. Die ca. 1500 Km von Schottland bis zur Westküste Englands (Lands End) legte er in 39 Stunden und 40 Minuten zurück, damit unterbot er die bestehende Rekordzeit um nicht weniger als fast 18 Stunden!

Das 350er Model „J“- hier eine Ausführung aus dem letzten Modelljahr 1920 - mit Zweigang getriebe, Fußrasten statt Brettern und dem flachen Lenker wurde als „Sport“ bezeichnet. Das sollte aber wohl eher an die oben angesprochenen Sporterfolge erinnern, denn für Renneinsätze gedacht war die „J“ sicher nicht. Hat sie doch schon Mühe, den leichten Korbseitenwagen zu schleppen!

Douglas Model "J" Sport
Baujahr 1920

Besitzer: Hans Föttinger sen.
Windern