Fragst du einen x-beliebigen deutschsprechenden
Menschen nach Ariel, bekommst du garantiert als Antwort:
„Waschmittel“. Naja, stimmt ja auch, Ariel ist eine der
ältesten und bekanntesten Waschmittelmarken, aber
die Firma hat den Namen ja nicht erfunden. Um den Ursprung
desselben aufzuspüren, müssen wir weit in die
Vergangenheit zurückgehen, sehr weit sogar. In uralten
Mythologien kannte man Elementargeister: der für
die Luft zuständige trug unsere gesuchte Bezeichnung,
es soll sich aus den hebräischen Namen Ar und Al
herleiten, was zusammen „Löwe Gottes“ bedeutet.
„Ariel“ nannte demzufolge auch William Shakespeare
einen Luftgeist, der in seinem letzten Werk „der Sturm“
(the Tempest) eine Nebenrolle spielt. Diesen Roman kannten
auch James Starley und William Hillman. Die beiden Engländer
führten zusammen ein Unternehmen, in dem sie bereits
1847 ein luftbereiftes Laufrad für Kutschen entwickelten.
Dieses konnte sich nicht durchsetzen, die Defektanfälligkeit
war einfach zu groß - es bedurfte des irischen Tierarztes
John Boyd Dunlop, um es 40 Jahre später salonfähig,
bzw. straßentauglich zu machen. Jedenfalls nannten
Starley und Hillman ihre Erfindung „Ariel“, in der Bedeutung
„leicht wie die Luft“. Das passte auch auf ihre bedeutendste
Entwicklung, die sie 1870 der Öffentlichkeit vorstellten:
das „All-Steel-Bicyle“ mit Drahtspeichenrädern. Ein
gewaltiger Innovationssprung vom hölzernen tretkurbelbetriebenen
Velociped zum leichtlaufenden Hochrad (das allerdings
damals noch einfach „Bicycle“ hieß, der Terminus
„Hochrad“ wurde erst in jüngerer Zeit eingeführt)!
Seither gilt James Starley als Erfinder dieses trendsetzenden,
wenn auch saugefährlichen Individualverkehrsmittels,
obwohl Experten auch den Franzosen Eugene Meyer als denjenigen
nennen, dem diese Ehre gebührt.
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1872 trennten sich die Wege
von Starley und Hillman, letzterer gründete mit neuen
Compagnions (Herbert & Cooper) die Premier Werke und
setzte sich ein Denkmal mit der Erfindung eines kettengetriebenen
Sicherheitshochrads (Kangaroo), wogegen ersterer in seinem
nachfolgenden Unternehmen mit der Erfindung des Differentials
die Basis zum Bau von praktikablen Dreirädern schuf
(ohne die zB. keine Automobil denkbar gewesen wäre).
Die Abschweifung in die Fahrradgeschichte sei hier erlaubt,
denn es war die zu Beginn der 1880er Jahre wiederbelebte
Marke Ariel, die Zwei- Drei- und Vierräder baute, und
letztere ab 1897 mit 2 ¼ PS de Dion Bouton Motoren
bestückte. Auf ähnliche Art und Weise experimentiere
damals nahezu jeder Fahrradhersteller, nicht nur in Großbritannien.
Zu dieser Zeit fusionierte James Starley mit der Westwood
Manufacturing Company, woraus die Components Ltd. entstand
- neuer Standort war Selly Oak, ein Stadtteil Birminghams.
Hier wurden ab 1902 auch die ersten einspurigen Motorräder
gebaut, die für damalige Maßstäbe als äußerst
modern gelten können: sie hatten einen Vergaser mit
Schwimmer und eine Magnet-Abreißzündung. Der
Einzylindermotor kam vom Zulieferer Kerry. Die Firma kam
allerdings etwas ins Trudeln und wurde von Charles Sangster
(sein Sohn Jack sollte als Konstrukteur weitreichende Bedeutung
erlangen) übernommen. Sangster plante die Herstellung
einer billigen, in großen Stückzahlen abzusetzenden
Zweitaktmaschine, der Arielette. Der Ausbruch des ersten
Weltkriegs vereitelte aber diese Pläne.
Zu dieser Zeit hatte Ariel drei seitengesteuerte Modelle
im Programm: eine Einzylinder und die 3,5 und 7 h.p. V-Zweizylindermodelle
mit 490 bzw. 670 ccm Hubraum. Letztere haben wir hier im
Bild: sie stammt aus dem Jahr 1916 und ist eine sehr gefällige,
seitenwagentaugliche Tourenmaschine, die zwar noch riemengetrieben
ist, dafür aber bereits über ein handgeschaltetes
Dreiganggetriebe (das im eigenen Haus in Bournbrooke entwickelt
und gebaut wurde) und eine ausgeklügelte, auf den Sattel
wirkende Federung verfügt. Die Maschine gehört
Karl und Gerhard Birklbauer aus Kirchdorf. Sie entdeckten
sie vor ca. 10 Jahren im deutschen Ludwigshafen und konnten
sie käuflich erwerben. Die Ariel war ursprünglich
in ihrem Mutterland England gelaufen, wo sie vor ca. 30
Jahren auch oberflächlich restauriert wurde. Die Birklbauers
ließen sie in dem Zustand, ein Kolbenfresser beim
ersten Einsatz am Loser machte allerdings eine motortechnische
Überholung notwendig. Seither ist die Ariel häufig
– und zuverlässig – im Einsatz.
Dass die Motorradherstellung bei Ariel nach Ende des ersten
Weltkriegs ausgesetzt wurde, lag daran, dass sich Sangster
zuerst auf die Autoherstellung spezialisieren wollte – lediglich
die Fahrräder wurden bis in die 30er Jahre weiterproduziert
(die mussten dann zu Gunsten der wiederentdeckten Liebe
zu Motorrädern weichen). Ariel konnte während
des ersten Weltkriegs nicht davon profitieren, dass die
Armeen unzählige Motorräder für Boten- und
Meldedienste benötigten. Diesen Markt teilten sich
die Konkurrenten Triumph, Douglas, Clyno, P & M, Royal
Enfield, Scott, BSA, AJS, Sunbeam, James, New Imperial,
… für Ariel war da kein Platz mehr, und in den ersten
beiden Kriegsjahren schossen alleine in England knapp 100
neue Marken aus dem Boden, denen meistens keine lange Lebensdauer
beschieden war. So gesehen vermutlich keine schlechte Entscheidung
von Sangster!
Besitzer: Karl u. Gerhard
Birklbauer
Kirchdorf im Kremstal
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