das virtuelle Museum des Motorrad-Veteranenclub Attnang Puchheim

Text und Fotos: Hannes Denzel


 

Ariel Model 7 h.p., Baujahr: 1916

   

Fragst du einen x-beliebigen deutschsprechenden Menschen nach Ariel, bekommst du garantiert als Antwort: „Waschmittel“. Naja, stimmt ja auch, Ariel ist eine der ältesten und bekanntesten Waschmittelmarken, aber die Firma hat den Namen ja nicht erfunden. Um den Ursprung desselben aufzuspüren, müssen wir weit in die Vergangenheit zurückgehen, sehr weit sogar. In uralten Mythologien kannte man Elementargeister: der für die Luft zuständige trug unsere gesuchte Bezeichnung, es soll sich aus den hebräischen Namen Ar und Al herleiten, was zusammen „Löwe Gottes“ bedeutet.

„Ariel“ nannte demzufolge auch William Shakespeare einen Luftgeist, der in seinem letzten Werk „der Sturm“ (the Tempest) eine Nebenrolle spielt. Diesen Roman kannten auch James Starley und William Hillman. Die beiden Engländer führten zusammen ein Unternehmen, in dem sie bereits 1847 ein luftbereiftes Laufrad für Kutschen entwickelten. Dieses konnte sich nicht durchsetzen, die Defektanfälligkeit war einfach zu groß - es bedurfte des irischen Tierarztes John Boyd Dunlop, um es 40 Jahre später salonfähig, bzw. straßentauglich zu machen. Jedenfalls nannten Starley und Hillman ihre Erfindung „Ariel“, in der Bedeutung „leicht wie die Luft“. Das passte auch auf ihre bedeutendste Entwicklung, die sie 1870 der Öffentlichkeit vorstellten: das „All-Steel-Bicyle“ mit Drahtspeichenrädern. Ein gewaltiger Innovationssprung vom hölzernen tretkurbelbetriebenen Velociped zum leichtlaufenden Hochrad (das allerdings damals noch einfach „Bicycle“ hieß, der Terminus „Hochrad“ wurde erst in jüngerer Zeit eingeführt)! Seither gilt James Starley als Erfinder dieses trendsetzenden, wenn auch saugefährlichen Individualverkehrsmittels, obwohl Experten auch den Franzosen Eugene Meyer als denjenigen nennen, dem diese Ehre gebührt.

1872 trennten sich die Wege von Starley und Hillman, letzterer gründete mit neuen Compagnions (Herbert & Cooper) die Premier Werke und setzte sich ein Denkmal mit der Erfindung eines kettengetriebenen Sicherheitshochrads (Kangaroo), wogegen ersterer in seinem nachfolgenden Unternehmen mit der Erfindung des Differentials die Basis zum Bau von praktikablen Dreirädern schuf (ohne die zB. keine Automobil denkbar gewesen wäre).

Die Abschweifung in die Fahrradgeschichte sei hier erlaubt, denn es war die zu Beginn der 1880er Jahre wiederbelebte Marke Ariel, die Zwei- Drei- und Vierräder baute, und letztere ab 1897 mit 2 ¼ PS de Dion Bouton Motoren bestückte. Auf ähnliche Art und Weise experimentiere damals nahezu jeder Fahrradhersteller, nicht nur in Großbritannien. Zu dieser Zeit fusionierte James Starley mit der Westwood Manufacturing Company, woraus die Components Ltd. entstand - neuer Standort war Selly Oak, ein Stadtteil Birminghams. Hier wurden ab 1902 auch die ersten einspurigen Motorräder gebaut, die für damalige Maßstäbe als äußerst modern gelten können: sie hatten einen Vergaser mit Schwimmer und eine Magnet-Abreißzündung. Der Einzylindermotor kam vom Zulieferer Kerry. Die Firma kam allerdings etwas ins Trudeln und wurde von Charles Sangster (sein Sohn Jack sollte als Konstrukteur weitreichende Bedeutung erlangen) übernommen. Sangster plante die Herstellung einer billigen, in großen Stückzahlen abzusetzenden Zweitaktmaschine, der Arielette. Der Ausbruch des ersten Weltkriegs vereitelte aber diese Pläne.

Zu dieser Zeit hatte Ariel drei seitengesteuerte Modelle im Programm: eine Einzylinder und die 3,5 und 7 h.p. V-Zweizylindermodelle mit 490 bzw. 670 ccm Hubraum. Letztere haben wir hier im Bild: sie stammt aus dem Jahr 1916 und ist eine sehr gefällige, seitenwagentaugliche Tourenmaschine, die zwar noch riemengetrieben ist, dafür aber bereits über ein handgeschaltetes Dreiganggetriebe (das im eigenen Haus in Bournbrooke entwickelt und gebaut wurde) und eine ausgeklügelte, auf den Sattel wirkende Federung verfügt. Die Maschine gehört Karl und Gerhard Birklbauer aus Kirchdorf. Sie entdeckten sie vor ca. 10 Jahren im deutschen Ludwigshafen und konnten sie käuflich erwerben. Die Ariel war ursprünglich in ihrem Mutterland England gelaufen, wo sie vor ca. 30 Jahren auch oberflächlich restauriert wurde. Die Birklbauers ließen sie in dem Zustand, ein Kolbenfresser beim ersten Einsatz am Loser machte allerdings eine motortechnische Überholung notwendig. Seither ist die Ariel häufig – und zuverlässig – im Einsatz.

Dass die Motorradherstellung bei Ariel nach Ende des ersten Weltkriegs ausgesetzt wurde, lag daran, dass sich Sangster zuerst auf die Autoherstellung spezialisieren wollte – lediglich die Fahrräder wurden bis in die 30er Jahre weiterproduziert (die mussten dann zu Gunsten der wiederentdeckten Liebe zu Motorrädern weichen). Ariel konnte während des ersten Weltkriegs nicht davon profitieren, dass die Armeen unzählige Motorräder für Boten- und Meldedienste benötigten. Diesen Markt teilten sich die Konkurrenten Triumph, Douglas, Clyno, P & M, Royal Enfield, Scott, BSA, AJS, Sunbeam, James, New Imperial, … für Ariel war da kein Platz mehr, und in den ersten beiden Kriegsjahren schossen alleine in England knapp 100 neue Marken aus dem Boden, denen meistens keine lange Lebensdauer beschieden war. So gesehen vermutlich keine schlechte Entscheidung von Sangster!

Besitzer: Karl u. Gerhard Birklbauer

Kirchdorf im Kremstal