das virtuelle Museum des Motorrad-Veteranenclub Attnang Puchheim

Text und Fotos: Hannes Denzel


 
AJS H8 500 ohv "Sloper", Baujahr: 1930
   

In der Scheune unseres Clubmitglieds Walter Malzner steht ein Motorrad, das ziemlich „verwahrlost“ wirkt. Verstaubt lehnt es in einer Ecke, der Lack ist matt und teilweise abgeblättert, die Zierlinien sind nur mehr zu erahnen, die Chromteile stark angerostet, die Satteldecken durchgesessen und rissig, und unter dem Motor hat sich eine Ölpfütze gebildet. Wahrscheinlich sind eben die Gummidichtungen schon ziemlich porös. Aber vergessen hat Walter die alte AJS nicht, sie läuft sogar noch, „und manchmal fahr ich auch noch aus damit“, wie er betont. „Es ist halt nie notwendig gewesen, irgendwas zu reparieren oder sogar auszutauschen, und drum soll sie so bleiben, wie sie ist.

Ins Auge fällt zuerst der stark nach vorn geneigte Zylinder der AJS. „Sloper“ nannte man Motorräder mit einer solchen Motorcharakteristik. Das war groß in Mode im England der 30er Jahre. BSA war 1927 das erste Unternehmen, das einen solchen Motor einbaute. Und fast jeder Hersteller lief in den folgenden Jahren diesem Trend hinterher. Am konsequentesten wohl Phelon & Moore, die den geneigten Zylinder zu einem Markenzeichen ihrer Panther machten. Auch bei AJS hatte man gehofft, der Absatzflaute mit neuen Maschinen mit modernem Aussehen zu begegnen, und so waren 1930 gleich vier Modelle nach diesem Muster gestrickt: jeweils eine 350er und 500er, kopf- und seitengesteuert, wurden vorgestellt, darunter Opas Modell H8, die ohv Variante mit 500ccm und 18 PS Leistung. Weil bei dieser Motoranordnung der Zündmagnet auf seinem angestammten Platz vor dem Zylinder keinen Platz mehr fand, mussten völlig eigenständige Maschinen entwickelt werden. Aber die neuen Modelle kamen schon zu spät: das Traditions-unternehmen AJS war nicht mehr zu retten.

Harry und Charlie Collier, die bereits seit 1899 Motorräder unter dem Namen Matchless produzierten, übernahmen die hochverschuldete Firma. Von da an kamen beide Marken, AJS und Matchless, aus den selben Fertigungshallen in Plumstead bei London. Sie unterschieden sich nur noch durch geringe technische Details – und den Namen auf dem Tank. Das Modell 8 wurde noch bis Kriegsbeginn 1939 gebaut, auch das Nachkriegsmodell 18 basierte auf dieser Entwicklung. Die „Sloper“ Mode war aber schon Mitte der 30er Jahre wieder vorbei – wie das bei Modeerscheinungen halt so ist.

AJS H8 500 ohv "Sloper"
Baujahr: 1930

Besitzer: Walter Malzner
Attnang Puchheim